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Gemeinsam, entschlossen, solidarisch: die linke Bewegung aufbauen!

Nachtrag: unsere Rede, die am 17.2.18 während der Demo gegen die Sicherheitskonferenz gehalten wurde.

“Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen,

Die Zeiten sind beschissen, das wissen wir.
Wir müssen dafür nicht in den Jemen schauen, wo drei Millionen Menschen auf der Flucht sind, weil Saudi-Arabien das Land mit deutschen Waffen bombardiert.
Wir müssen nicht den Inhalt der Freihandelsabkommen lesen, zu denen unsere Regierung afrikanische Staaten zwingt und auf deren Grundlage sie ihre Märkte mit billigen Tomaten und Hühnchen überschwemmt und Hunderttausende arbeitslos macht.

Und wir müssen dafür auch nicht die Statistiken lesen, nach denen der Meeresspiegelanstieg in den nächsten Jahrzehnten ganze Länder verschlingen könnte und Millionen von Menschen in Bangladesch, auf den Malediven, in Ägypten heimatlos machen wird.
Die Frage ist nicht: Ist der Zustand der Welt beschissen?
Die Frage ist: Können wir etwas dagegen tun?
Und das können wir.

„Wir, die Alten, werden vielleicht die entscheidenden Kämpfe dieser kommenden Revolution nicht erleben. Aber ich glaube, mit großer Zuversicht die Hoffnung aussprechen zu dürfen, dass die Jugendlichen, die so ausgezeichnet in der sozialistischen Bewegung arbeiten, dass sie das Glück haben werden, nicht nur zu kämpfen, sondern auch zu siegen in der kommenden proletarischen Revolution.“
Dieses Zitat stammt von Lenin. Er hat das im Januar 1917 gesagt, in einer Rede vor Züricher Jugendlichen. Im Januar 1917, das heißt: Einen Monat vor dem Beginn der Februarrevolution – und weniger als ein Jahr vor dem Sieg eben dieser proletarischen Revolution, der Oktoberrevolution.

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen: Als Revolutionäre müssen wir aus der Geschichte lernen. Und die Geschichte dieses Zitates lehrt uns, dass es manchmal sehr schnell gehen kann.
Dass der Bruch mit diesem System heute noch weit entfernt erscheinen und morgen bereits seinen Anfang nehmen kann. Dass es sich lohnt, zu kämpfen – nicht für eine unbestimmte Zukunft, sondern für das hier und heute.

Ich habe gerade Lenin zitiert und das ist erst einmal nicht ungewöhnlich, wenn man von der Oktoberrevolution spricht. Aber es war nicht Lenin, der diese Revolution gemacht hat. Es waren die Arbeiterinnen und Arbeiter Russlands.
Wenn wir auf die Revolutionen und Kämpfe der Vergangenheit schauen, dann denken wir an einige bekannte Namen, an Einzelpersonen. Lenin, Luxemburg, Che Guevara. Aber genau so, wie der Erfolg unserer heutigen Demonstration nicht an einer einzelnen Person hängt, sondern an uns, den Vielen, so ist es auch in der Vergangenheit gewesen.

Eine Revolution lebt nicht von den Taten großer Männer, sondern von der Solidarität und Unbeugsamkeit einer Bewegung.
Als im Juli 1917 in Russland hunderttausende Menschen gegen den Krieg auf die Straße gegangen sind, hat die Regierung in die Menge schießen lassen. Sie hat die Todesstrafe an der Front eingeführt und hunderte protestierende Arbeiter verhaftet. Aber einen Monat später sind trotzdem hunderttausende in den Generalstreik getreten. Aller Repression zum Trotz. Am Ende haben sie damit den Krieg beendet.

In Kurdistan geht die türkische Armee in diesem Moment mit Panzern und Luftschlägen gegen Efrin vor. Sie verhaftet jeden, der sich gegen den Krieg ausspricht und massakriert diejenigen, die sich ihnen entgegenstellen. Aber trotzdem melden sich jeden Tag dutzende Menschen freiwillig, um dem Angriff der Türkei entgegenzutreten. Es ist dieser Widerstand der Masse der Bevölkerung, der das diktatorische Regime Erdogans ins Wanken bringen könnte.

Nach den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg ist die Bundesregierung mit voller Härte gegen die linke Bewegung vorgegangen. Sie hat dutzende Wohnungen durchsuchen lassen und Menschen angeklagt und vor Gericht gestellt, einzig, weil sie an Demonstrationen teilgenommen hatten. Aber sie schafft es nicht, den Widerstand zu brechen. Und als sie den 19-jährigen Fabio nach Monaten in Untersuchungshaft vor den Richter geführt haben, um an ihm ein Exempel zu statuieren, war dessen einzige Reaktion, ihnen zu erklären, warum sie die Bewegung nicht werden aufhalten können.

Die Bewegung – sie ist das, worum es geht. So lange es eine Bewegung gibt, eine solidarische Bewegung, eine kommunistische Bewegung, so lange besteht die Hoffnung auf ein Ende des Unrechts.

Zeigen wir den Mächtigen, dass es eine solche Bewegung gibt. Zeigen wir ihnen, dass wir diese Bewegung sind und dass wir uns nicht einschüchtern lassen.

Wir sind heute hier, um dem Krieg und dem Elend etwas entgegenzusetzen. Gemeinsam. Solidarisch. Und widerständig.
Für ein Ende des Unrechts. Für den Kommunismus!

Stoppt den Angriffskrieg der Türkei! Kampf der Präsidialdiktatur von Erdogan!

Am 19. Januar 2018 hat die türkische Armee ihre militärische Offensive auf Afrin, den westlichsten Kanton der demokratischen Föderation Rojava (Nordsyrien), gestartet. Unterstützung erhält die türkische Armee von IS-Kämpfern und der Freien Syrischen Armee (FSA) – mittlerweile bekannt dafür, ein Sammelbecken islamistischer und dschihadistischer Kämpfer aus dem Umfeld von Al-Quaida und der Al Nusra-Front zu sein. Der Angriffskrieg wird durch die Billigung Russlands und die Zurückhaltung der USA ermöglicht.

Der Angriff auf Afrin verfolgt vor allem ein Ziel: Die Vernichtung des Projekts Rojava. Die Operation soll die Revolution im befreiten Rojava zerschlagen und verhindern, dass die demokratische Selbstverwaltung Rojavas weiteren politischen Einfluss auf die Türkei nimmt. Erdogan will den Angriffskrieg zudem nutzen, um die Reihen im eigenen Lager zu schließen und alle Rechten und Reaktionäre hinter sich zu vereinen. Der militärische Einfall in Rojava ist ein weiterer Höhepunkt der sich stetig verschärfenden Politik Erdogans.

Die Besatzung Afrins innerhalb weniger Tage ist dem türkischen Militär, der zweitgrößten NATO-Armee, trotz großer Worte nicht gelungen. Die Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG/ YPJ befinden sich in einer erbitterten Selbstverteidigung, leisten Widerstand und wehren den Vormarsch der türkischen Streitkräfte erfolgreich ab.

Der Kampf in Kurdistan ist der revolutionäre Kampf um Selbstbestimmung, der Kampf um Frauenbefreiung und der Kampf um eine befreite Gesellschaft – wir InternationalistInnen sind angehalten, den Angriffskrieg nicht nur mit bloßen Worten zu verurteilen, sondern aktiv Protest und Widerstand zu organisieren und das revolutionäre Projekt weltweit zu verteidigen.

Die Politik der Türkei: Terror nach innen, Krieg nach außen

Man kommt nicht darum herum, die Militäroffensive auf Afrin in den Kontext der Entwicklungen innerhalb der Türkei und des rasanten Aufstiegs Erdogans zum diktatorischen Alleinherrscher zu stellen.

Erdogan hat in den vergangen Jahren seine Macht mit einer unglaublichen Geschwindigkeit ausgebaut. Er hat Militär, Justiz und Bildungsorgane unter seine Kontrolle gebracht, zentrale Kontrollorgane entmachtet und einflussreiche Wirtschaftsverbände auf seine Seite gezogen. Mit der Vertiefung der Konflikte zwischen der AKP und der Gülen-Bewegung sowie der weitgehenden Entlassung von deren Angehörigen aus dem Staatsapparat hat die AKP einerseits zwar vorerst ihre Alleinherrschaftsposition festigen können, sich aber andererseits in eine tiefe Macht- und Herrschaftskrise manövriert.

Nicht unwesentlich war dabei die Rolle der HDP, der pro-kurdischen und fortschrittlich orientierten Volkspartei. Die HDP, die man als parlamentarischen Ausdruck der Gezi-Proteste sehen muss, schaffte bei den Nationalwahlen 2015 den historischen Einzug ins Parlament. Dieser Wahlsieg zog Erdogan und der AKP bei ihren Plänen zur Durchsetzung einer Präsidialdiktatur einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. In dieser Zeit wurde auch die Selbstverwaltung in Nordkurdistan/ Bakur (Südosten der Türkei) ausgerufen und über Monate hinweg erbittert gegen türkische Angriffe verteidigt.

Was folgte, waren staatliche Verfolgung, Bombenanschläge und immer schärfere Repressionen gegen RevolutionärInnen, Oppositionelle, GewerkschafterInnen sowie gegen die Frauen- und LGBTIQ-Bewegung. Die Repressionswellen gipfelten in der Ausrufung des Ausnahmezustands nach dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016.

Damit gab es nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder man war für Erdogan oder man war gegen ihn – und galt somit als Terrorist. Eine Verhaftungswelle jagte die nächste, mit dem Ziel Straßen, Medien und Parlament von allen kritischen, linken wie bürgerlichen Stimmen zu säubern.

 

Neue Strategie der Türkei: Aufbau faschistischer Massenbewegungen samt Lynchjustiz

Erdogans neueste politische Strategie innerhalb der Türkei ist es, verstärkt auf paramilitärische faschistische Organisationen zu setzen und hohe Summen in diese zu investieren. Eines seiner zentralen Projekte ist die sogenannte HÖH (Spezialeinheit des Volkes), eine bewaffnete faschistische Massenorganisation. Der eingetragene Verein hat bereits rund 7.000 Anhänger. In sieben Städten der Türkei gibt es schon jetzt Ausbildungslager der bewaffneten, faschistischen Miliz. Die HÖH hat Erdogan zu ihrem inoffiziellen Anführer und zum Amir, dem Befehlsherr der Gläubigen, erklärt. In einer Stellungnahme formuliert es der HÖH-Anführer Kaya so: „Solange der Amir den Gläubigen nicht befiehlt, auf die Straße zu gehen, werden wir warten“. Dabei ist über Social-Media-Beiträge zu sehen, dass sie sich bewaffnen. In einigen Straßen und Vierteln patrouilliert die HÖH inzwischen als Hilfspolizei. Von staatlicher Seite gefördert, soll die HÖH die Deutungs- und Durchsetzungshoheit auf den Straßen herstellen und möglichen oppositionellen Massenbewegungen entgegenwirken.

Seit dem gescheiterten Putschversuch regiert Erdogan durch Notstandsdekrete und damit am Parlament vorbei. Die vom Präsidenten beschlossenen Dekrete haben Gesetzeskraft, sind bindend und vor Gericht nicht anfechtbar. In diesem Kontext hat Erdogan jüngst das Gesetzespaket KHK erlassen. In dem Paket werden nicht nur die Hinrichtungen und Enthauptungen gegen Putschisten für straffrei erklärt, sondern werden auch all diejenigen begnadigt, die zukünftig gegen die von Erdogan deklarierten „Feinde der Nation“ vorgehen. Das KHK-Gesetzespaket ist somit ein Freifahrtschein für eine faschistische Lynchjustiz. Die Wirksamkeit dieser repressiven Schritte ist unbestreitbar: Die AKP konnte dadurch die Herrschaftskrise zeitweise eindämmen und ihre Macht in der Türkei festigen.

Trotz all dieser Säuberungsaktionen existieren linke und revolutionäre Strukturen weiter. Das gelebte, greifbare und überzeugende Gesellschaftskonzept, das unzählige revolutionäre KämpferInnen in Rojava mit ihrem Leben verteidigen, hat auf die geschwächte Linke in der Türkei eine starke und weiter bestärkende Wirkung. Darin liegt der Kern des Problems für Erdogan.

 

Der Krieg gegen Afrin

In Rojava, das an der Grenze zur Türkei liegt, erkämpft und erbaut die kurdische Bevölkerung gemeinsam mit allen anderen dort lebenden ethnischen und religiösen Bevölkerungsteilen ein fortschrittliches und basisdemokratisches Gesellschaftsmodell. Die demokratische Selbstverwaltung in den drei Kantonen Cizre, Kobane und Afrin ist ein beispielhaftes Vorbild für den Erfolg und die Möglichkeit tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderung. Es ist ein Gesellschaftsprojekt, das Strahlkraft in die ganze Welt hat. Dieses Gesellschaftsmodell, das auf den Säulen Frauenbefreiung, Basisdemokratie und einer Wirtschaft basiert, die sich nach den Bedürfnissen der Menschen richtet, steht im konkreten Widerspruch zu den Plänen Erdogans und der AKP. Rojava bildet nicht nur einen direkten Gegenentwurf zur Türkei, sondern zu allen kapitalistischen Ländern weltweit.

Nachdem die Türkei, die Herrschaftskrise im eigenen Land mit barbarischen Mitteln eindämmen konnte, richtet sie sich nun wieder gegen Rojava und damit gegen ihre gefährlichsten GegnerInnen: Denn die Menschen in Rojava zeigen mit ihrem Streben, dass eine andere Gesellschaft möglich ist. Dieses Streben ist nicht zuletzt der Antrieb und Motor für die linke und revolutionäre Bewegung in der Türkei und in Nordkurdistan, um sich immer wieder aufs Neue im Kampf gegen die AKP zu formieren.

Afrin ist der Kanton, der geographisch isoliert von den beiden anderen befreiten Regionen – den Kantonen Kobane und Cizre – steht. Die Türkei will mit ihrem Angriff Rojava dem Erdboden gleichmachen. Vorrangig und als erster Schritt dahin geht es der Türkei jedoch darum, zu verhindern, dass sich die zwei geographisch bereits verbundenen Kantone Kobane und Cizre mit dem dritten Kanton Afrin zusammenschließen können. Deshalb marschierte die türkische Armee bereits im August 2016 in Cerablus ein, um den fortschreitenden Befreiungskampf einzudämmen und eine Verbindung der Kantone zu erschweren.

Der Angriff auf Afrin konnte nur erfolgen, weil die weiteren Kriegstreiber in Syrien, namentlich USA, Russland und Damaskus, dem Einsatz zustimmten. Auf internationaler Bühne ächteten jene zwar mit großen Worten die Kriegsplanungen Erdogans, tatsächlich aber zog Russland seine Militärs aus Afrin ab und unterstütze die KurdInnen nicht, bspw. mit ihren Flugabwehrsystemen. Auch die USA, die sich im Kampf gegen den IS mit den kurdischen Kräften YPG/ YPJ im Nordosten Syriens in einem taktischen Bündnis zusammengeschlossen hatten, intervenierten nicht. Ein Umstand der Russland gelegen kommt: Ein möglicher Zwist zwischen den NATO-Mitgliedern Türkei und USA ist für Russland von Vorteil. Denn während die Türkei die YPG in Afrin bekämpft, unterstützt die USA im Nordosten Rojavas die YPG im Kampf gegen den IS. Noch reden sich die USA damit heraus, dass sie sich im Bündnis mit der YPG des nordöstlichen Rojavas befinden und Afrin „nicht ihre Angelegenheit“ sei. Dies kann sich jedoch jederzeit in einen Konflikt zwischen den USA und der Türkei entladen. Weder Russland noch der US-amerikanische Imperialismus haben also ein Interesse daran, das selbstverwaltete Projekt in Rojava dauerhaft zu unterstützen. Eine empfindliche Schwächung der Rojava-Revolution ist auf lange Sicht auch für diese imperialistischen Player von Vorteil.

Das alles sind also rein taktische Bündnisse. Die strategischen Verbündeten der Rojava Revolution sind die InternationalistInnen. Afrin ist politisch isoliert und, wie zu erwarten war, wurde es von allen militärischen Verbündeten verraten. Umso wichtiger ist es, für die Selbstverwaltung Rojavas auf die Straße zu gehen und eine Bewegung gegen den Krieg in Afrin aufzubauen! Dabei ist es unsere Aufgabe die heuchlerische Rolle Deutschlands anzugreifen.

 

Kriegsgewinner Bundesrepublik Deutschland

Die deutsche Bundesregierung ist an den militärischen Vorhaben der Türkei direkt beteiligt. In Afrin sind weitaus mehr deutsche Waffen und Produkte im Einsatz als bisher bekannt war. Die Panzer- und Waffenlieferungen in die Türkei liegen bei über 50 Mio. Euro, geplant ist es deutsch-türkische Panzer in Zukunft direkt auf türkischem Territorium zu produzieren. Deutsche Lizenzen für die Herstellung von Kleinwaffen sind schon jetzt freigegeben, Komponenten wie Dieselmotoren und MTU-Hochleistungsantriebe werden zugeliefert und auch deutsche Transportmittel werden im Angriffskrieg eingesetzt. Bei der Offensive der Türkei kommen also nicht nur deutsche Leopard-2-Panzer in vollem Umfang zum Einsatz. Durch öffentlichen Druck in Deutschland konnte die geplante Aufrüstung der Panzer vorerst verschoben werden, doch bereits jetzt sind Unmengen deutscher Waffen in der Türkei. Damit nicht genug: Die deutsche Bundesregierung hat erhobene Informationen von deutschen AWACS-Aufklärungsflugzeugen an den Despoten Erdogan weitergegeben. Diese werden jetzt für den Angriffskrieg in Afrin verwertet.

Mit bloßen Lippenbekenntnissen bestärkt Deutschland die Türkei in ihrem Handeln. Die Gründe für die Politik der Bundesregierung liegen auf der Hand: Zusätzlich zu den Millionen aus den Rüstungsdeals, verdient die deutsche Wirtschaft Unsummen durch Handel und Investitionen in der Türkei. Diese Anlagen sollen auch weiter gesichert sein und nicht durch einen revolutionären Umschwung in der Türkei gefährdet werden.

 

Hoch die Internationale Solidarität!

Als InternationalistInnen können wir den Angriff des türkischen Militärs nicht einfach hinnehmen. In Rojava wird ein fortschrittliches Projekt aufgebaut. Es ist ein positiver Bezugspunkt in einer Region, die von reaktionären und repressiven Regimes dominiert ist und auch ein wichtiger Bezugspunkt für uns. Rojava ist der Kampf für Freiheit inmitten von Unfreiheit und bedeutet für die Völker in der Region einen bedeutenden Fortschritt. Ansätze einer Gesellschaft ohne Rassismus und Patriarchat, einer Gesellschaft mit antikapitalistischer Perspektive werden in Rojava geschaffen. Rojava ist damit das Beispiel für einen fortschrittlichen und solidarischen Gesellschaftsentwurf unserer Zeit, nicht nur im Mittleren und Nahen Osten, sondern weltweit. In den kapitalistischen Ländern wird Rojava keine Verbündeten finden. Die einzigen Verbündeten Rojavas sind die InternationalistInnen auf der ganzen Welt. Jetzt braucht Afrin unsere Solidarität. Unsere Aufgabe ist es, diese Solidarität zu organisieren und breiten Widerstand gegen die Angriffe auf Afrin und Rojava aufzubauen. Durch den Sieg gegen den IS und den Widerstand gegen die zweitgrößte NATO-Armee schreiben die KämpferInnen Geschichte. Lasst uns ein Teil dieser Geschichte werden!

Für die Revolution in Rojava und das Recht auf Selbstbestimmung!

Solidarität mit dem Widerstand in Afrin!
Edi bese! Stoppt den Krieg des türkischen Staates und die deutsche Beihilfe!
Nieder mit dem türkischen Staatsterrorismus!

 

UnterstützerInnen:

Antikapitalistische Linke München (ALM) – Arbeitskreis Internationalismus Stuttgart (AKI) – Linke Aktion Villingen-Schwenningen – Prolos -Revolutionäre Aktion Stuttgart (RAS) – Revolutionär organisierte Jugendaktion (ROJA) – siempre*antifa Frankfurt

Stimmung gegen Kriegstreiber trotz Schnee und Kälte: Das war die Demo gegen die Sicherheitskonferenz 2018

Am letzten Samstag haben mehrere tausend Menschen gegen die “Sicherheits”Konferenz, die jährlich im Bayrischen Hof in München stattfindet, demonstriert. Auf der SiKo treffen sich VertreterInnen vom Rüstungsfirmen, Militär und Politik um ihre Vorstellung von “Sicherheit” zu diskutieren. Was das für den Großteil der Menschheit bedeutet, kann jeder täglich in den Nachrichten sehen: Krieg. Flucht, Armut und Zerstörung im Namen von Profit und geopolitischen Interessen. Dass zum Beispiel ein türkischer Premierminister teilnimmt, der gerade einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen die kurdische Bevölkerung in Afrin/Syrien führt, stört eigentlich niemanden dort. Am wenigsten natürlich die deutschen Firmen, die mit dem Segen der Bundesregierung Panzer und allerlei andere Waffen an die Türkei verkaufen.

In den letzten Jahren wurde auf der SiKo mit IT-Firmen wie Google auch gerne über so schöne Dinge geplaudert wie die neuste Technologien, um die Bevölkerung zu überwachen und großflächig in Gefährder und nicht-Gefährder einzuteilen. (Gefährder können dann präventiv eingesperrt oder auch direkt per Drohne eliminiert werden. Praktisch, dass die Drohnen-Produzenten auch mit am Tisch sitzen). Aber das nur am Rande. Wer sich ein Bild machen will, dem sei die Teilnehmerliste ans Herz gelegt.

Schon am Vorfeld gab es Aktionen wie eine kurze Besetzung des Foyers vom Tagungsort am Donnerstag vormittag, bei der die AktivistInnen auf den völkerrechtswiderigen Krieg der Türkei gegen Afrin aufmerksam machten.

Am Samstag fand dann die Großdemonstration in München statt. Zwischen 3000 und 4000 Menschen gingen auf die Straße gegen Krieg, Waffenexporte und Aufrüstung. Dass aber Krieg und Kapitalismus in unserer Gesellschaft untrennbar zusammenhängen, ist für uns der Grund, seit Jahren gemeinsam mit anderen Gruppen zu einem antikapitalistischem Block auf der Demo aufzurufen. Ungefährt 400 Leute folgten dem Aufruf trotz eisigen Temperaturen und starkem Schneefall, der am Ende selbst der Farbe auf den Transpis zusetzte. Es herrschte eine kämpferische Stimmung im Block, immer wieder wurde die Solidarität mit den Einheiten der YPG/YPJ, dem KämpferInnen gegen den IS und den türkischen Angriffskrieg in Syrien, lautstark betont. Am Ende wurde zu dem Thema auch eine große Fahne mit dem in Deutschland kriminalisierten Symbol der YPG über dem Block ausgebreitet (für die Polizei: ca. 5 x 9m). Denn dass in Deutschland Menschen wegen der Solidarität mit dem fortschrittlichen kurdischen Projekt verfolgt werden, können und wollen wir nicht hinnehmen.

Hoch den internationalen Widerstand! Krieg dem Krieg!

Hier ein Video der Aktion

 

 

Hände weg von Afrin! Großdemonstration in München

Am Samstag wird es in verschiedenen Städten, und auch in München, Großdemonstrationen geben gegen den Angriff auf den syrisch-kurdischen Kanton Afrin durch die türkische Armee. Zeigen wir, dass Afrin nicht alleine ist! Solidarität ist eine Waffe!

 

Samstag 3.2. – 14 Uhr Stachus

 

Erklärung von NAV-DEM – Demokratisches Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland:

Am Samstag, den 20.01.18 hat die türkische Armee ihren Überfall auf die Demokratische Föderation Nordsyrien offiziell begonnen. Unter dem zynischen Namen „Operation Olivenzweig“ steht der Kanton Afrin im Nordwesten Syriens seit gestern unter massivem Beschuss durch die türkische Artillerie und türkische Kampfjets. Mit dutzenden Luftangriffen wurden zivile Viertel Afrins und Stellungen der Volks- und Frauenverteidigungseinheiten (YPG/YPJ) bombardiert. Auch ein Camp, in dem über 500.000 Geflüchteten aus anderen Teilen Syriens Zuflucht gefunden haben, wurde nicht verschont. Heute morgen ließ das Regime in Ankara verkünden, dass nun nach den ersten Schlägen aus der Luft auch die Bodenoffensive begonnen habe. Die türkische Besatzungsarmee rückt gemeinsam mit islamistischen Verbänden der so genannten „Freien Syrischen Armee“ an fünf Fronten auf Afrin vor. In der Nacht und am Morgen haben dutzende Panzer die türkisch-syrische Grenze überquert. Im Norden Afrins finden zur Zeit schwerste Gefechte zwischen den Selbstverteidigungseinheiten der Bevölkerung und der türkischen Armee statt. Die Kräfte der YPG/YPJ leisten erbitterten Widerstand und wehren unter größter Opferbereitschaft den türkischen Vormarsch ab. Erdogan hat angekündigt, dass die Besatzung Afrins nur der erste Schritt in einem umfassenden Vernichtungsfeldzug gegen ganz Rojava und die gesamte Demokratische Föderation Nordsyrien sein soll.

Was der türkische Staat in Afrin versucht zu vernichten, ist das demokratische Projekt, das unter größten Anstrengungen und schweren Opfern in den nunmehr fünf Jahren der Revolution aufgebaut und verteidigt wurde. In Afrin wird nicht nur eine Stadt bombardiert. Die Bomben der türkischen Armee sollen die Errungenschaften dieser Revolution vernichten. Das gesellschaftliche Projekt des Demokratischen Konföderalismus basiert auf den Prinzipien von Frauenbefreiung, Ökologie und einer radikalen Demokratie. In Rojava haben die Völker der Region sich ein gemeinsames Leben erkämpft, jenseits von Nationalismus, religiösem Sektierertum und imperialistischer Fremdbestimmung. In Nordsyrien wird heute eine Gesellschaft aufgebaut, in der Frauen ihre Geschicke selbstbestimmt in die Hand nehmen und autonome Frauenorganisierung in allen gesellschaftlichen Bereichen stattfindet. Diese Frauenrevolution ist die Garantie für den Erfolg der Revolution in Rojava. Mit einer kommunalen Ökonomie und einer basisdemokratischen Räteverwaltung wird versucht, ein Leben jenseits der kapitalistischen Verwertungslogik und staatlicher Bevormundung aufzubauen.

Während Kobanê von den Mörderbanden des sog. Islamischen Staats belagert wurde, sind wir in Europa und auf der ganzen Welt zu Hunderttausenden auf die Straße gegangen, um genau diese Werte und diese Revolution gemeinsam zu verteidigen. Genau wie damals muss heute klar sein: Das Schicksal der Revolution Rojavas und des Mittleren Ostens steht heute in Afrin auf dem Spiel.

Genau wie damals gilt es heute, auch und insbesondere hier in Deutschland, Widerstand zu entwickeln. Es ist offensichtlich, dass dieser verbrecherische Überfall auf Afrin nur Realität werden konnte dank der Unterstützung, die das Regime Erdogans aus Berlin und speziell durch die letzten Gespräche zwischen Sigmar Gabriel und Mevlut Cavusoglu erhalten hat. Es sind Panzer, Fahrzeuge und Gewehre, allesamt in deutschen Fabriken produziert, mit denen die türkischen Soldaten heute über die Grenze nach Afrin marschieren. Es ist die nahezu bedingungslose politische Rückendeckung aus Berlin, die Ankara überhaupt erst dazu ermutigt hat, einen derartigen Völkerrechtsbruch zu unternehmen. Zu guter Letzt ist es die direkte Unterstützung des Innenministeriums hier in Deutschland, mit der Protest von vornherein durch das Verbot sämtlicher kurdischer Flaggen und die andauernde und schärfer werdende Kriminalisierung gegen kurdische Organisationen unterdrückt wird.

Weil Deutschland indirekt eine Kriegspartei in Afrin ist, gilt es hier den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen und unseren Protest auf die Straße zu tragen. Mit dem Geist von Kobanê müssen wir uns heute zusammentun, organisieren und gemeinsam zur Aktion schreiten, denn morgen schon könnte es zu spät sein. Afrin ist von allen Seiten umzingelt, also müssen wir die Luftröhre dieser Revolution sein.

Wir rufen daher all jene, die sich mit den Werten dieser Revolution identifizieren können, all jene, für die Rojava in den letzten Jahren zur Hoffnung und Inspiration wurde und all jene, die nicht mehr länger zusehen wollen, wie die Bundesregierung sich erneut vor allen Augen zum Komplizen eines weiteren Massakers macht: Schließt euch in euren Städten und Vierteln zu Internationalistischen Widerstandskomitees zur Verteidigung Afrins zusammen und baut breite Bündnisse über alle ideologischen Grenzen hinweg auf. So wie wir uns während Kobanê in flexiblen Solidaritätskomitees und Bündnissen zusammengefunden, haben müssen wir jetzt den gemeinsamen Widerstand auf diese Weise koordinieren.

Bildet Internationalistische Widerstandskomitees, beteiligt euch an den Aktionen und besucht die kurdischen Vereine in euren Städten. Schließt euch mit den GenossInnen vor Ort zusammen und tragt euren Protest gegen den Vernichtungskrieg der Türkei und die Beihilfe des deutschen Militarismus gemeinsam auf die Straße!

Stop wars like it’s 1917! Gegen die Kriegskonferenz in München 2018!

 

Demonstration gegen die “Sicherheits”Konferenz in München 2018

17.02.2018 – 13 Uhr – Karlsplatz/Stachus

Antikapitalistischer Aufruf

Auf der 54. Münchner “Sicherheitskonferenz” (SiKo) treffen sich vom 16. bis 18. Februar im Hotel Bayrischer Hof unter Militär- und Polizeischutz die Verwalter von Krieg und weltweitem Elend: PolitikerInnen, Rüstungsfirmen, KriegsministerInnen, LobbyistInnen, IT-Unternehmen, Militärs. Einige geladene NGO’s sollen dem Ganzen einen humanistischen Anstrich verleihen. Medial glamourös inszeniert wird dabei über die weltweite „Sicherheitslage“ geredet. Inzwischen machen die SiKo-Geladenen keinen Hehl mehr daraus, was sie darunter verstehen: zum Beispiel forderte Bundespräsident Joachim Gauck in seiner Eröffnungsrede 2014 Deutschland auf, endlich wieder mehr „Verantwortung“ in der Welt zu übernehmen, explizit auch militärisch.

Aber zum Glück bleibt das Ganze nicht ohne Widerspruch: Seit 2002 gibt es jährlich antimilitaristische Aktionen und eine Großdemonstration am Wochenende der „SiKo“. Auch wir rufen dazu auf, den Protest gegen den Krieg auf die Straße zu tragen und mit gesellschaftlichen Perspektiven zu verknüpfen.

Riesige Gebiete der Welt werden von Bürgerkriegen, Umweltzerstörung und Anschlägen verwüstet, die Zeitungen sind voll mit Kriegsmeldungen und -bildern, Millionen Menschen sind auf der Flucht, die Bundeswehr ist im aktiven Kriegseinsatz und wirbt offensiv für Unterstützung und Nachwuchs.

Auch in Deutschland werden wir immer mehr mit der Realität des Krieges konfrontiert: Menschen fliehen und kommen zu uns. Wir hören von ihnen, dass Frauen, Männer und Kinder auf der Flucht Gewalt, Hunger, Erpressung und Sklavenhandel ausgesetzt sind. Wir sehen, wie sie im reichen Deutschland zusammengepfercht in Lagern und maroden Unterkünften unter inakzeptablen Bedingungen leben müssen. Permanent bedroht von rechten Brandstiftern, von der Öffentlichkeit unter Generalverdacht gestellt und begleitet von der ständigen Angst, zurück in Kriegs- und Krisengebiete abgeschoben zu werden.

Empörung darüber flammt in der Öffentlichkeit höchstens kurz auf, um dann im allgemeinen Sturm der Nachrichten unterzugehen. Gleichzeitig scheinen sich auf politischer Ebene alle moralischen Bedenken schnell in Luft aufzulösen, sobald es um Rüstungsexporte und internationale Handelsbeziehungen geht.

Die meisten Menschen kennen diese Zusammenhänge und die dafür verantwortliche Politik. Es breitet sich Hilflosigkeit und Frustration aus. „So ist das nun mal“, „ Das kann man nicht ändern – ich schon gar nicht“ ist oft die automatische Reaktion.

Aber das stimmt nicht! Die Hilflosigkeit, die wir angesichts der Beschissenheit der Welt fühlen, ist nur ein Ausdruck fehlender Solidarität. Solidarität, die uns die Kraft geben kann, alles zu ändern, alles umzustürzen und neu zu machen. Was meinen wir damit?

Vor 100 Jahren hat die russische Bevölkerung nach jahrelangen Qualen des Ersten Weltkriegs den Aufstand begonnen. SoldatInnen, BäuerInnen, Frauen, Kinder und ArbeiterInnen haben gemeinsam in der Oktoberrevolution für ihre Interessen gekämpft. In basisdemokratischen Räten (Sowjets) organisiert, haben sie die Macht übernommen und den Krieg beendet.

Das war ein großer Erfolg! Aber sie mussten noch weiter gehen: um Kriege dauerhaft zu verhindern, durften sie die Macht nicht denen zurückgeben, die den Krieg angefangen hatten und daran verdienten. Die RevolutionärInnen in Russland hatten in früheren Kämpfen immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es mit bürgerlichen Parteien nur ein „weiter so“ mit minimalen Verbesserungen geben kann. Dass, wenn sie wirklich eine ganz andere, eine solidarische Gesellschaft ohne Ausbeutung schaffen wollten, sie diese nur selber, mit ganz neuen Arten der Selbstverwaltung und des gesellschaftlichen Zusammenlebens erreichen konnten. Denn so lange es Menschen gibt, die an Rüstungsexporten, Expansion und dem Kreis von Zerstörung und Wiederaufbau Geld verdienen, so lange wird es Kriege geben. Dauerhafter Frieden kann nur erreicht werden, wenn die Massen der Bevölkerung die alten Machtstrukturen zerstören und eigene aufbauen.

So haben damals Menschen wie du und ich aus eigener Kraft den bis dahin größten Krieg der Geschichte beendet. Die Kraft für diesen revolutionären Umsturz haben sie damals aus der Erkenntnis gezogen, dass Krieg niemals zum Wohle der Bevölkerung geführt wird, sondern immer nur auf Kosten dieser. Er ist nur möglich, solange sich genug Menschen als SoldatInnen verarschen und dazu bringen lassen, gegen ihre eigenen Interessen zu kämpfen. Feinde sind nämlich nicht die Menschen aus anderen Ländern, sondern diejenigen, die uns in den Krieg führen und von ihm profitieren. Vereint gegen sie: So beendet man Krieg! So kämpft man für seine Interessen! So macht man eine Revolution!

Auch wenn dieser Versuch der Sowjetunion durch vielfältige Gründe und Fehler gescheitert ist, bleibt uns die Oktoberrevolution als Beispiel dafür, was passieren kann, wenn Menschen ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen.

Die Geschichte wird oft so dargestellt, als wäre sie eine Abfolge von mächtigen Männern mit mehr oder weniger schlauen Ideen für die Gesellschaft – so, als hätte die Masse der Menschen eh keinen Einfluss auf ihren Verlauf. In Wirklichkeit ist Geschichte aber ein dynamisches, sich ständig veränderndes Gebilde, das durch unsere Lebensbedingungen, den Kampf der gesellschaftlichen Klassen und gemeinsames Handeln der Menschen gemacht wird. Auch heute! Der Kapitalismus ist nicht das Ende der Geschichte und der permanente Kriegszustand keine Notwendigkeit. Kriege und gesellschaftliche Systeme werden von Menschen gemacht und sie können auch von Menschen beendet werden!

Aber wie?

Wir stellen uns mit unserem Mut, unserer Hoffnung, unserer Solidarität gegen Krieg und Zerstörung, gegen Ausbeutung und Unterdrückung, gegen Panzer und automatische Waffen, gegen Polizei und Knäste, gegen riesige Konzerne mit scheinbar unerschöpflichen Ressourcen, gegen einen Staatsapparat mit umfassenden Möglichkeiten zur Überwachung und Repression, gegen das Mantra des Profitstrebens und der Konkurrenz, das jeden Teil unseres Lebens durchzieht. Wieso? Ist das nicht total verrückt?

Nein, ist es nicht. Weil wir überzeugt sind, dass eine andere Welt möglich ist. Heute wie vor 100 Jahren.

Auch wenn sich die Welt oberflächlich stark verändert hat, sind die Prozesse der Ausbeutung dieselben: die große Masse der Menschen arbeitet für den Profit einer kleinen Minderheit von KapitalistInnen. Diese stehen auf einem weltweiten Markt in Konkurrenz zueinander und müssen ihre Profite konstant steigern, um nicht unterzugehen. Das wird umso schwieriger, je mehr sich die Krisen des Kapitalismus verschärfen.

Folglich werden die Auseinandersetzungen zwischen imperialistischen Ländern immer schärfer. Aggressive Expansion, die Konkurrenz um Absatzmärkte und der aggressive Zugriff auf Rohstoffe sind Versuche, die Steigerung des Profits aufrecht zu erhalten und somit im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Wortreich umschrieben heißt das: Krieg für den Profit!

Dabei sind es nicht wir die profitieren, es sind die Herrschenden! Wir sind diejenigen, die mit niedrigen Löhnen, Mindestlohn und befristeten Arbeitsverträgen, die Profite der KapitalistInnen steigern! Wir sind die Ausgebeuteten. Die, deren Sozialleistungen immer weiter gekürzt werden, während die Steueausgaben für Rüstung jedes Jahr steigen! Heute wie vor 100 Jahren.

Und genauso wie damals sind wir diejenigen, die sagen können: Es reicht. Wenn wir gemeinsam handeln, muss es nicht so weiter gehen. Flucht, Krieg, Hunger, Arbeitslosigkeit, Umweltzerstörung sind kein Schicksal, es sind Konsequenzen eines weltweiten Systems, das wir abschaffen müssen.

Wir denken nicht, dass man die Eliten, die sich im Bayrischen Hof zur Sicherheitskonferenz treffen, zum Frieden überreden kann, dass „Appelle“ an die Politik etwas bringen. Aber wenn wir am 17. Februar auf die Straße gehen, dann können wir ein Zeichen setzen: Wir sind viele und wenn wir wollen, kann sich alles ändern.

Wie vor 100 Jahren geht das nur gemeinsam: wenn wir uns organisieren, unsere eigenen Strukturen aufbauen, Solidarität leben als Gegenpol zur kapitalistischen Gesellschaft und schließlich ein anderes System erkämpfen!

Denn so wie es ist, muss es nicht bleiben. Jede Aktion ist ein Schritt dahin.

Für ein Ende aller Kriege!
Für die Revolution!

Wir rufen dazu auf, am Samstag den 17.2. zusammen mit uns im Antikapitalistischen Block auf der Großdemo gegen die “Sicherheits”konferenz zu demonstrieren und zu zeigen: eine andere Welt ist möglich.

17.02.2018 – 13 Uhr – Karlsplatz/Stachus

Unterstützt durch:
Antikapitalistische Linke München | Arbeitskreis Internationalismus Stuttgart
Antimilitaristisches Treffen Villingen-Schwenningen | La Resistance Ingolstadt
Linke Aktion Villingen-Schwenningen | Offenes Treffen gegen Krieg & Militarisierung Karlsruhe | Revolutionär Organisierte Jugendaktion Nürnberg

Rede zum Antikriegstag 2017

(von uns gehaltene Rede auf der Demonstration zum Antikriegstag in Ingolstadt am 2.9.2017)

2016 hat Deutschland mehr als 41 Milliarden Euro in Militärausgaben investiert. 41 Milliarden Euro. Das ist mehr als doppelt so viel, wie im gleichen Jahr in die Unterbringung und Versorgung aller Geflüchteten in Deutschland gesteckt wurde. Das sind 15 Milliarden mehr, als im gleichen Jahr für Sozialhilfe ausgegeben wurde. Das ist mehr als das Zehnfache des Geldes, das in sozialen Wohnungsbau geflossen ist.

Deutschland rüstet auf. Nach außen und nach innen. Und die vielbeschworene Zivilgesellschaft? Schweigt. Duckt sich weg. Fällt um. Die Linksliberalen, die gestern noch nach bürgerlichen Freiheiten gerufen haben, geschworen haben, sie zu verteidigen, rufen heute nach einem härteren Kampf gegen links. Nachdem sich beim G20-Gipfel Tausende gegen den Polizeiterror gewehrt haben, sollen Gesetze verschärft, Linke bekämpft und GenossInnen weggesperrt werden. Und wenn Deutschland in Libyen Menschenjäger und Warlords aufrüstet, dann schütteln sie einmal besorgt den Kopf. Und gehen wieder zum Tagesgeschäft über. Mit aller Kraft versucht die Bundesregierung jene Menschen, deren Länder und deren Leben der Imperialismus zerstört hat, fernzuhalten.

Nennen wir es beim Namen. Wer libyschen Milizen Geld für Mord, Folter und Vergewaltigung gibt, der hat selbst Blut an den Händen. Und wem es dennoch gelingt, nach Deutschland zu gelangen, in das Herz des europäischen Imperialismus, aller Abschottung und allen Diktatorendeals zum Trotz, der muss auch hier weiter in Angst leben.

Es ist fast unmöglich geworden, die Straftaten zu zählen, die Nazis jeden Tag begehen: Sie prügeln, sie werfen Brandsätze, sie morden. Immer öfter, immer unwidersprochener. Insgesamt wurden allein letztes Jahr 3500 “politisch motivierte” Straftaten gegen Geflüchtete begangen. “Politisch motiviert”, das heißt: von Nazis. Diese Gewalt hat System.

Das System, in dem wir leben, bringt rassistische Gewalt hervor. Weil es spaltet. Je weiter die Schere zwischen arm und reich auseinandergeht, je beschissener die Situation für die arbeitenden Menschen wird, desto stärker wird auch der Rassismus. Die Menschen haben Angst, das wenige, das sie noch haben, zu verlieren: ihren Job, ihre Rente, ihre Wohnung.

Im Deutschland 2017 gibt es viele Gründe, Angst zu haben. Viele gute Gründe. Aber die Angst, die umgeht, die geschürt wird, bewusst oder unbewusst, ist eine falsche Angst. Jeden Tat wird in Deutschland über islamistischen Terror gesprochen. Der Polizeistaat wird ausgebaut. Angeblich zum Schutz vor Islamisten. Aber der Terror, der uns bedroht, ist der rechte Terror. Der jeden Tag passiert. Der Menschen bedroht, einschüchtert, ermordet, jeden Tag.

Rechter Terror spaltet. Der Terror, der uns bedroht, ist auch der Terror des kapitalistischen Systems. Der Menschen gegeneinander ausspielt und sie zu Feinden macht: “Nur einer von euch kann den schlechtbezahlten Drecksjob bekommen, also zankt euch darum.” Der Menschen untergehen lässt und ihnen auch noch die Schuld daran gibt, “sie hätten sich ja mehr anstrengen können”. Der Angst verbreitet und Elend. Der spaltet.

Der Terror, der uns bedroht, ist auch der Terror des Imperialismus. Der Krieg und Ausbeutung in andere Länder trägt, der rechte Regime aufrüstet, ganze Länder ins Verderben stürzt. Der mithilfe von IWF und Weltbank Länder destabilisiert und nur falsche Tränen weint, wenn dann Bürgerkriege ausbrechen. Der die Grenzen abschirmt und Menschen auf ihrem Weg nach Europa ertrinken lässt. Für den “Menschenrechte” bedeutet, Bomben zu werfen, nicht aber, denen zu helfen, die vor diesen Bomben fliehen. Imperialistischer Terror spaltet.

Wenn wir der Angst etwas entgegensetzen wollen, müssen wir gegen den Terror vorgehen. Den rechten Terror, den kapitalistischen Terror, den imperialistischen Terror. Den Terror der Spaltung. Das können wir nur gemeinsam tun. Indem wir uns zusammenschließen, uns organisieren. Indem wir den Nazis nicht die Straße überlassen und den Vertretern des kapitalistischen Systems nicht die Köpfe.

Wir sind heute hier, weil wir die Spaltung und die Angst satt haben. Weil wir uns wehren wollen. Uns wehren müssen. Lasst uns unseren Protest auf die Straße tragen, setzen wir der Spaltung unseren Zusammenhalt entgegen.

Wehren wir uns. Organisiert, solidarisch, hoffnungsfroh.

Trotz alledem.

Fight capitalism – Texte zu den G20-Protesten in Hamburg 2017

Eine Großstadt im Ausnahmezustand: Im Sommer 2017 treffen sich im Herzen Hamburgs die Staats- und Regierungschefs der 20 mächtigsten Industrienationen. Abgeschirmt von über 13.000 Polizisten, wollen die G20 in der Hamburger Messe tagen. In Zeiten einer sich immer mehr zuspitzenden globalen Krise des Kapitalismus und der verschärften imperialistischen Konkurrenz, bekommt das Treffen eine größere Bedeutung als noch vor einigen Jahren. Die Zeit der G8 bzw. G7 als faktische „Weltregierung“ scheinen vorbei zu sein.

Mit den G20 steht ein Forum im Mittelpunkt, das weit weniger homogen ist. Dennoch wird die herrschende Politik in der Elbstadt versuchen, sich ein weiteres Mal als Problemlöser zu inszenieren, während die Welt in Scherben liegt.
Trump, Erdogan, Merkel und Co. geht es nicht nur um den Ausgleich ihrer Herrschaftsinteressen und Einflusssphären. Das Treffen der G20 ist einer der Orte, an dem die bestehenden Verhältnisse manifestiert, verteidigt und politisch durchgesetzt werden.

Genua, Prag, Göteborg, Heiligendamm und jetzt Hamburg: Gipfeltreffen der Herrschenden waren immer auch Orte des Widerstands und der Perspektive einer anderen Gesellschaft. Nach Hamburg wird bundesweit und international mobilisiert, nicht wenige wollen mit Aktionen rund um die rote Zone den Gipfel direkt einschränken. Die Voraussetzungen dafür stehen in einer Großstadt wie Hamburg nicht schlecht. Dennoch ist die Mobilisierung weit mehr als die Blockade der roten Zone. Der konkrete Widerstand in Hamburg kann sicherlich als Gradmesser für die Organisierungsbestrebungen der antikapitalistischen Linken und deren Mobilisierungsfähigkeit gesehen werden.

Als Perspektive Kommunismus beteiligen wir uns sowohl an den Vorbereitungen, als auch an den Aktionen vor Ort. Mit der vorliegenden Broschüre wollen wir unsere Arbeit inhaltlich ergänzen und unsere Standpunkte in die Debatte rund um den geplanten Widerstand tragen. Uns geht es dabei um mehr als eine reine Einschätzung des Treffens der G20 und dessen Bedeutung für die herrschende Klasse. Mit der Broschüre wollen wir die Brücke schlagen zwischen der Notwendigkeit die Gipfeltreffen der Herrschenden als Plattform für unseren Widerstand zu nutzen und der alltäglichen Arbeit im revolutionären Aufbauprozess. Mit den dafür notwendigen politischen Standpunkten, setzen wir uns in einem Selbstinterview auseinander. Ein Gastbeitrag vertieft die Auseinandersetzung um die Möglichkeiten und Ziele militanter Akzente im Kontext der Gipfelproteste. Ein Aspekt, dem, so meinen wir, gerade in Anbetracht des formulierten Ziels – der Blockade des Gipfels – eine nicht unwesentliche Bedeutung zukommt.

Abschließend wollen wir mit einem Interview über den Tellerrand des G20-Gipfels hinaus blicken. Während die Herrschenden in Hamburg damit beschäftigt sind, den kriselnden Kapitalismus zu retten, haben die Menschen in Nordsyrien ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen. In Rojava entsteht im Rahmen des Befreiungskampfes der KurdInnen eine wirkliche Alternative zum Neoliberalismus – inmitten eines grausamen Krieges und ständigen Angriffen ausgesetzt. Eindrücke von vor Ort und eine politische Einordnung liefert ein Genosse, der den proletarischen Internationalismus praktisch hat werden lassen und sich der militärischen Verteidigung Rojavas angeschlossen hatte.

Themen der Broschüre:
Es geht um die Aufteilung der Welt | Gipfelprotest und revolutionärer Aufbau | Interview mit Perspektive Kommunismus | Gastbeitrag: „Massenmilitanz und revolutionäre Gewalt“ | Gelebter Internationalismus in Rojava | Auf nach Hamburg

Broschüre als PDF

Perspektive Kommunismus

Eine Auswertung der Proteste gegen die Sicherheitskonferenz.

Krieg. Kapitalismus. Und was wir dagegen tun müssen.

Eine Auswertung der Proteste gegen die Sicherheitskonferenz.

“Wir müssen Druck aufbauen, die PolitikerInnen zum Frieden zwingen”, meint jemand auf dem Bündnistreffen. “Nein”, entgegnen wir, “im Kapitalismus wird es nie dauerhaften Frieden geben, deshalb müssen wir ihn revolutionär überwinden”. Auf dem Münchner Bündnis gegen die Sicherheitskonferenz geht es oft kontrovers zu.

Wir sind KommunistInnen mit revolutionärem Anspruch und organisieren uns seit Jahren gemeinsam auch mit reformistischen und pazifistischen Kräften im Münchner Bündnis gegen die Sicherheitskonferenz. Warum das? Kampf für den Frieden, das bedeutet für uns auch immer Kampf gegen den Kapitalismus. Dahin kommen wir nur mit einer breiten Bewegung und einer klaren Analyse. Diese beiden Punkte sollten wir nie gegeneinander diskutieren.

I. Uns bilden, Bewusstsein bilden

Was machen eigentlich Revolutionäre in nicht-revolutionären Zeiten? Das ist das Dilemma, vor dem wir tagtäglich stehen. 100 Jahre nach der Oktoberrevolution fühlt es sich in Deutschland so gar nicht nach Revolution an.

Im Gegenteil erleben wir: Die kapitalistische Krise verschärft sich weltweit. Relevante Teile der Gesellschaft geben ihre Resignation auf und kommen in Bewegung – allerdings in der Mehrzahl nicht in Richtung von sozialem Fortschritt. Stattdessen profitieren von dieser Situation aktuell die Rechten. In Deutschland in Form einer rassistischen Massenbewegung.

Dabei sind die Zustände, die millionenfach Armut, Krieg und Flucht hervorbringen, für uns so unerträglich, dass wir sie nicht nur verändern, sondern zerschlagen wollen. Nichts weniger als die Unterdrückung von Menschen durch Menschen zu beenden ist unser Ziel. Ob wir das schaffen hängt aber weniger davon ab, wie sehr wir das wollen, sondern davon, ob die gesellschaftlichen Bedingungen das hergeben.

Hier stehen wir nun zwischen Anpassung an das System und radikalistischer Abgrenzung. Zwischen der Karriereplanung bei Rot-Rot-Grün und dem Absturz im autonomen Zentrum. Um bei all den großen Aufgaben weder das eine noch das andere zu tun, machen wir uns doch kurz klar, was die nächsten Schritte einer Bewegung seien können.

Wie müssen wir aufgestellt sein, wenn sich die Zustände zuspitzen, wenn die Widersprüche in der Gesellschaft für immer mehr Menschen unerträglich werden, wenn es kracht?

Wir brauchen ein möglichst breites Verständnis dafür, dass es die Zustände sind, die das Leben so unerträglich machen und nicht der Kollege oder die Kollegin nebenan.

Eins nach dem anderen. Was für ein Bewusstsein brauchen wir? Das Bewusstsein der ArbeiterInnenklasse, dass sie ein Interesse und die Möglichkeit hat, die Verhältnisse umzuwerfen. Nicht nur zu ihrem eigenen Wohl, sondern zum Wohl aller. Klassenbewusstsein.

Auf einer Friedensdemonstration? Ja. Imperialistischer Krieg heißt: ArbeiterInnen, die andere ArbeiterInnen zum Nutzen kapitalistischer Ausbeutung ermorden. Bei fast allen Kriegen heutzutage geht es nicht um Befreiung und schon gar nicht um Menschenrechte, sondern darum, welches Kapital Zugriff auch welche Märkte, Rohstoffe und Handelswege bekommt. Daran haben all die, die im Krieg zu Mördern, Opfern oder beidem werden, überhaupt kein Interesse.

Klassenverhältnisse prägen diese Gesellschaft, aber deshalb Klassenkampf nur beim Streik im Betrieb zu suchen, wäre verkehrt1. In jeden wichtigen gesellschaftlichen Kampf müssen wir mit einer klassenkämpferischen Position intervenieren.

Die radikale Linke streitet um den Charakter der Sicherheitskonferenz und den richtigen Kampf dagegen. Es gab Aufrufe des Antikapitalistischen Blocks2 und des Jugendblocks3, im Vorfeld einen Diskussionbeitrag von ka-os München4 und im Nachgang einen von Oskar Huber bei Klasse gegen Klasse5. Wir wollen uns mit einigen der Positionen auseinandersetzen.

II. Kampf dem imperialistischen Krieg – Kampf dem imperialistischen Frieden

Zuerst einmal gibt es innerhalb wie außerhalb des Münchner Bündnisses gegen die Sicherheitskonferenz Kräfte, die den Protesten ihre Spitze abbrechen wollen. Die statt kämpferischer Opposition gegen Kapitalismus und Krieg eine Beratung der Herrschenden anstreben.

Ein Beispiel dafür ist die Internationale Münchner Friedenskonferenz. Diese formuliert “Erwartungen” an die Bundesregierung. Sie sieht es als ihr Ziel, “Denkprozesse anzustoßen, die eine Kultur des Friedens beflügeln”6. Die Friedenskonferenz und ihr nahestehende Gruppen beschränken sich auf den Kampf gegen die Kriegsgefahr und übersehen den Kapitalismus.

“Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln”. Wenn man diesem Zitat des preußischen Generals von Clausewitz zustimmt, dann müssen wir mehr tun, als uns mit der Frage Krieg oder kein Krieg zu beschäftigen. Wir müssen uns mit dem Inhalt der Politik beschäftigen, deren Fortsetzung der Krieg ist.

Wenn unsere kurdischen FreundInnen in Rojava Krieg führen gegen den IS, dann ist das die Fortsetzung einer Befreiungspolitik. Es ist die Fortsetzung der Politik der Befreiung der KurdInnen, der Frauen, der ethnischen Minderheiten in diesen Regionen. Da wir diese Politik richtig finden, finden wir natürlich auch den Krieg der kurdischen FreundInnen gegen den IS richtig.

Wie verhält es sich dann aber mit der deutschen Politik? Verbreitet Deutschland Frieden in der Welt? Kämpft Deutschland für Menschenrechte und setzt dabei nur auf die falschen Mittel? Oder baut es ein globales Ausbeutungssystem weiter aus?

Nehmen wir zum Beispiel die sog. “Europäische Nachbarschaftspolitik” (ENP). Seit 2004 verfolgt die EU, maßgeblich geprägt von Deutschland, die Taktik, mit Nachbarländern, die keine Beitrittsperspektive für die EU haben, Assoziierungsabkommen im Rahmen der ENP zu schließen. Offizielles Ziel ist “die Schaffung eines Raums von Stabilität, Sicherheit und Wohlstand.” Inhalt der Assoziierungsabkommen ist aber ein anderer. Diese sollen die Märkte öffnen für Europäische Waren und Kapital. Zölle müssen abgebaut werden, staatliche Subventionen zurückgefahren. Auch auf Syrien wurde bereits ab 2004 massiv Druck zu neoliberalen Reformen aufgebaut.

Oder nehmen wir den Kapitalexport. 2016 war Deutschland wieder Exportweltmeister. Deutschland exportiert Waren und investiert gleichzeitig Kapital in Form von Krediten, damit sich die importierenden Länder das überhaupt leisten können. Dadurch werden ganze Industriezweige von der deutschen Konkurrenz vernichtet. Statt das Geld hier in Infrastruktur, Bildung oder Technologieentwicklung zu investieren, werden damit schnelle Profit auf ausländischen Märkten gesucht. Profitieren tun davon weder die Menschen hier, noch in den importierenden Ländern. Hier fehlt das Geld für notwendige Investitionen7, dort wird eine eigenständige wirtschaftliche Entwicklung verhindert und die Länder in die Abhängigkeit getrieben.

Was das im Ergebnis bedeutet, zeigt folgende Zahl eindrucksvoll. Der Kapitalexport führt dazu, dass nach Abzug von neuen Krediten, Entwicklungshilfe usw. im Jahr 2014 immer noch fast 1.000 Milliarden Dollar mehr von den “Entwicklungsländern” in die “entwickelten” Länder geflossen sind als umgekehrt. Die Behauptung, “wir” würden armen Ländern helfen, ist also nur ein modernes Märchen.

Diese Entwicklung nun militärisch abzusichern, ist Ziel der Bundeswehr. Es geht darum, Handelswege, den Zugang zu Rohstoffen und Märkten abzusichern, die ungestörte Kapitalakkumulation sicherzustellen.

Ob nun wirtschaftliche Ausbeutung mit oder ohne militärischen Druck funktioniert, ob die Wirtschaftsmacht der EU ausreicht, damit Länder ihre Wirtschaft freiwillig öffnen, ob man gezielt Waffenexporte einsetzt, um Kooperationspartner zu stärken und andere zu schwächen, oder ob man tatsächlich Krieg führt, ist letztlich ohne Bedeutung.

Nicht nur die Menschen, die durch deutsche Panzer und Maschinengewehre sterben, werden ermordet. Sondern auch die, die im Mittelmeer auf der Flucht ertrinken oder die 20 Millionen Menschen, die aktuell vom Hungertod bedroht sind8. Der Schweizer Globalisierungskritiker Jean Ziegler hat bereits vor über 10 Jahren festgestellt, dass die Weltwirtschaft ohne Probleme zwölf Milliarden Menschen ernähren könnte und somit jedes Kind, das verhungert, in Wahrheit ermordet wird.

Dies alles ist natürlich nicht der Wille böser Konzerne oder Einzelpersonen. Es ist die Entwicklung des Kapitalismus, die dazu führt. Die Konkurrenz treibt die globalen Konzerne immer wieder zur Suche nach neuen Profiten, Absatzmärkten, Rohstoffen. Dabei können sie nicht nur, sondern sie müssen sogar über Leichen gehen. Es geht also nicht um kapitalistischen Krieg gegenüber kapitalistischem Frieden, sondern um ein Ende der kapitalistischen Ausbeutung der Welt.

Das Bündnis gegen die Sicherheitskonferenz zeichnet diese Zustände im Aufruf9 und der Zeitung10 sehr klar. Leider ohne den konsequenten Schritt zu gehen, die kapitalistischen Verhältnisse selbst ins Zentrum der Kritik zu stellen.

III. Der Hauptfeind steht im eigenen Land

Nachdem wir gesehen haben, dass ein friedlicher Imperialismus sich vom kriegerischen Imperialismus nur nach der Form, nicht aber nach dem Inhalt unterscheidet, wird auch klar, dass wir die Feinde einer menschenwürdigen Weltordnung nicht irgendwo weit weg suchen müssen.

Der deutsche Imperialismus beutet wirtschaftlich große Teile der Welt aus. Allerdings beschränkt sich Deutschland natürlich nicht auf die wirtschaftliche Ausbeutung. Kriegseinsätze in Afghanistan oder Somalia, Waffenexporte und jetzt auch noch ein großangelegtes Aufrüstungsprogramm: auch militärisch wird immer mehr mitgemischt.

Viele AktivistInnen rücken allerdings andere Akteure ins Zentrum. Beliebt je nach pro- oder anti-westlichem Standpunkt: Russland und die USA. Entweder ist es der Bombenkrieg in Aleppo, oder die Aufrüstung salafistischer Gruppen. Das Zündeln in der West- oder in der Ostukraine. Es ist die Unterstützung der reaktionären Regime in Saudi-Arabien auf der einen und des Irans auf der anderen. Das ist ja das “Schöne” am Imperialismus: Verbrechen ,mit denen man seine Feindschaft wahlweise gegenüber Russland oder den USA rechtfertigen kann, gibt es wie Sand am Meer.

Nun ist es von einem deutschen Standpunkt natürlich weder besonders schwierig noch besonders zielführend zu begründen, was in Russland oder den USA schief läuft. Spannender wird es da schon, wenn man den deutschen Imperialismus ins Fadenkreuz rückt und konstatiert, das heute, wie schon 1915 für Karl Liebknecht gilt: Der Hauptfeind steht im eigenen Land und heißt deutscher Imperialismus.

Wer das nicht tut, wird niemals zu einer revolutionären Kraft in Deutschland, sondern im besten Fall irrelevant und im schlechtesten Fall zum Thinktank für den deutschen Imperialismus. Sollte Deutschland seine Interessen im Bündnis mit den USA durchsetzen? Oder mit Russland? Oder als eigenständiger Player mittels der EU? Wir haben nicht vor, uns den Kopf der Imperialisten zu zerbrechen.

IV. Keine linke PR für den deutschen Imperialismus

Auf einer eigenen Kundgebung versammelten sich am Sonntag nach der Großdemonstration einige Gruppen unter dem Motto: “Sicherheitskonferenz? Not my democracy!”. Dort stand eine Verteidigung des Westens auf der Tagesordnung. So distanzierte sich die Linksjugend.solid München von der Forderung nach einem Ende der Auslandseinsätze der Bundeswehr:

“Ebenfalls zu kritisieren ist die Forderung nach einem Ende aller Auslandseinsätze der Bundeswehr. Wer sich in seinem Aufruf solidarisch mit den Kurd*innen in Nordsyrien zeigt, gleichzeitig aber Waffenlieferungen an diese oder die Bombardierung des IS, ablehnt handelt antagonistisch. Solidarität mit den Kurd*innen in Syrien, Irak und in der Türkei ist dringend erforderlich, darf sich aber nicht an Dogmen, wie dem Ende aller Auslandseinsätze der Bundeswehr, klammern.”11

Man darf also Waffenlieferungen und deutsche Kriegseinsätze nicht generell ablehnen, weil sie ja auch der kurdischen Freiheitsbewegung zugute kämen. Ist das jetzt ein Beispiel dafür, dass deutsche Waffen auch Positives schaffen? Vielleicht sogar ein Argument dafür, dass von der Leyen und Gauck Recht haben? Sollte Deutschland wirklich mehr Verantwortung in der Welt übernehmen?

Die Waffen, die in die kurdischen Region im Nordirak geliefert wurden, hatten einen Wert von etwa 70 Millionen Euro. Ist das nun prägend für die deutsche Außenpolitik? Zum Vergleich: Seit 2001 wurden an die Türkei Waffen in Höhe von weit über 2 Milliarden Euro exportiert. An Saudi-Arabien wurden allein im Jahr 2016 Waffen im Wert von 529 Millionen Euro geliefert, an die Vereinigten Arabischen Emirate in Höhe von 154 Millionen. Die Unterstützer des IS und islamistischer Gruppen sind also die, die massiv von Deutschland aufgerüstet werden. Aus einer kurzfristigen Übereinstimmung der Interessen, hier in der Bekämpfung des IS, schlussfolgert die Linksjugend, dass deutscher Militarismus ja nicht per se schlecht sei!

Dass die Waffen, die hier geliefert wurden, nicht in den Händen einer Freiheitsbewegung sind, sondern in Händen des bürgerlich-nationalistischen und mit der Türkei verbündeten Barzani-Regimes, das auch nicht davor zurückschreckt, die jesidische Selbstverwaltung Sindschar mit eben diesen deutschen Waffen anzugreifen12, macht die Argumentation nur noch absurder.

Genauso verhält es sich mit den US-Luftangriffen auf den IS. Wir würden uns nie gegen irgendwas positionieren, das unseren kurdischen FreundInnen im Kampf gegen die Barbarei des IS hilft. Daraus jetzt aber abzuleiten, dass der US-Imperialismus irgendwie ambivalent sei, mal Gutes und mal Schlechtes erreicht, hat mit der Realität nichts zu tun. Ohne die Angriffskriege gegen Afghanistan, Irak und Libyen, ohne die Unterstützung islamistischer Rebellengruppen im Syrien, wären die Luftschläge gegen den IS überhaupt nicht nötig gewesen. Auch wieder: Aus der besonderen historischen Konstellation, die eine Zusammenarbeit der kurdischen Freiheitsbewegung und den USA ermöglicht, kann man nicht ernsthaft Schlüsse auf die Rolle des US-Imperialismus insgesamt ziehen.

Wie kann eine Gruppe, die es ernst meint damit, dass es die kapitalistischen Zustände sind, die immer wieder Krieg, Ausbeutung und Flucht produzieren, davon ausgehen, dass dieses System dann doch irgendwie immer wieder gutzuheißende Kriegseinsätze hervorbringt?

V. Kritik da wo sie hingehört

Oskar Huber kritisiert auf “KlasseGegenKlasse” die “pro-russische” Position des Bündnisses gegen die Sicherheitskonferenz. Pro-russisch, dass soll hier wohl heißen, dass Russland weitgehend von der Kritik ausgespart wird.

Als KommunistInnen haben wir natürlich keinerlei Sympathien für irgendeinen imperialistischen Player. Ob Russland, Deutschland oder die USA, all diese Länder beteiligen sich an der Ausbeutung der lohnabhängigen Klasse sowie der von ihnen abhängigen Staaten.

Aber sollten wir deshalb in unseren Texten auch alle gleichermaßen mit Kritik angreifen? Das kommt darauf an, wo und in welchem Kontext wir unsere Kritik äußern. Unsere Aufgabe als KommunistInnen in Deutschland ist es, den deutschen Imperialismus zu bekämpfen. Wenn unsere PolitikerInnen schreien “Schaut, der Russe! Wir müssen aufrüsten!” dann sagen wir nicht “Ja, wir sehen die Aggression und verurteilen das auch, aber denkt doch einmal an das große Ganze!”.

Sondern wir schreien ihnen entgegen:

“Stoppt Eure Aufrüstung! Die Empörung über imperialistische Verbrechen aus Russland ist blanke Heuchelei, wenn sie euch nützen würden, würdet ihr sie, wie tausendfach geschehen, wohlwollend unterstützen. Kein Interesse habt ihr an den Kindern, die durch russische Bomben sterben, oder den Grenzen, die durch russische Truppen verletzt werden! Die Aufrüstung Russlands wollt ihr nutzen, um eure eigene Aufrüstung voran zu treiben, aber wir gehen euch nicht auf den Leim!”

Eine Kritik, die in Deutschland Wirkung zeigen soll, richtet sich gegen den deutschen Imperialismus und seine Verbündeten und nicht gegen seine Feinde. Nicht, weil wir andere von der Kritik ausnehmen wollen, sondern weil wir uns nicht einbinden lassen werden für eine imperialistische Strategie.

VI. Wo gegen Krieg drauf steht ist nicht immer gegen Krieg drinnen

Das alles gesagt, heißt es natürlich nicht, dass wir nicht auch genug Kritik in den “eigenen” Reihen zu vergeben haben. Es geht uns dabei um analytische Klarheit. Um als Friedensbewegung ernst genommen zu werden, kommen wir nicht weiter, wenn wir uns mit Verschwörungstheoretikern oder Rechten gemein machen.

Darin hat das Bündnis vieles richtig gemacht. So gab es dieses Jahr im Vorfeld eine klare Distanzierung von rechten Kräften, die versucht haben bei der Demonstration Anschluss zu finden13. Es gab aber, dieses Jahr und teils in den letzten, auch Fehler in dieser Hinsicht, die wollen wir nicht verschweigen.

Lisa Fitz zum Beispiel in ihrer Rede auf der Demonstration gegen die Münchner Sicherheitskonferenz. Sie behauptet, islamistische Gruppen würden von Saudi-Arabien und der Türkei finanziert und von den USA und Israel “nach Belieben gelenkt”14, bietet sie Anknüpfungspunkte für anti-semitische Ressentiments.

Ein Bericht der Defence Intelligence Agency (DIA) aus dem Jahr 2012 bestätigt, dass die USA den Aufstieg des IS haben kommen sehen und weiter die Rebellengruppen in Syrien unterstützt haben15. An der Finanzierung von islamistische Gruppen seitens der Türkei und Saudi-Arabien, aber auch Kater oder der Vereinigten Arabischen Emirate haben wir keine Zweifel.

Trotzdem suggeriert die Formulierung “gelenkt” ein völlig falsches Verhältnis. Islamistische Gruppen sind eigenständige Akteure und nicht bloß Handpuppen irgendeines Staates. Warum ausgerechnet die USA – und insbesondere Israel – salafistische Gruppen lenken sollten, und nicht deren direkte Verbündete, beispielsweise Saudi-Arabien oder die Türkei ist uns schleierhaft. Dass die USA den IS nicht lenken sollte spätestens klar sein, seit dem sie eben diesen zur Wahrung ihrer Interessen militärisch bekämpfen. Solche Beiträge, die dazu beitragen, die wahren Verhältnisse zu verschleiern und nicht zu entlarven, dürfen auf unserer Demonstration keinen Platz haben.

VII. Kampf und die Köpfe!

Wir wollen also streiten um eine präzise Kapitalismuskritik und eine revolutionäre Überwindung der Verhältnisse. Das können wir aber nur, wenn uns die Menschen in den Kämpfen als Partner auf Augenhöhe wahrnehmen. Die Kritik, die wir nur im autonomen Zentrum, unseren Blogs oder unsere Facebook-Blase verbreiten, mag dazu führen, dass wir uns moralisch besser fühlen, sie wird aber nicht dazu führen, dass sich etwas ändert.

Deshalb lasst uns Teil sein einer antimilitaristischen Bewegung, lasst uns immer darum kämpfen den Klassencharakter der Kriege zu entlarven, damit möglichst wenige dem Ruf zu den Waffen folgen. Lasst uns immer wieder konkret und nicht abstrakt belegen, wann und warum dieses System zu Krieg drängt. Ja, das ist der anstrengende Weg. Ja, wir müssen uns dazu viel mit Menschen auseinandersetzen, deren Meinung wir nicht teilen.

Es kann und darf uns aber nicht passieren, dass wir uns mit unserer Kritik in die Komfortzone eines linken Szenesumpfs zurückziehen. 37% der Bevölkerung sehen es bereits so, dass Kapitalismus zwangsläufig zu Krieg führt. 37%! Bringen wir die auf die Straße!

Kämpfen wir um die Köpfe unsere BündnispartnerInnen!

Kämpfen wir um die Köpfe unserer Klasse!

Bis zum Kommunismus!

1Spannende Gedanken dazu: http://monkeyking.ch/havocinheaven/?p=44

2http://almuc.blogsport.eu/2017/01/02/siko-is-coming-auf-die-strasse-gegen-die-kriegstreiberkonferenz/

3http://jugendblock.de/aufruf-2017/

4http://ka-os-muc.net/wp-content/uploads/2017/01/SiKo-Kritik.pdf

5https://www.klassegegenklasse.org/die-sponsoren-der-siko-verschwoerungstheorien-und-die-richtige-strategie-gegen-krieg/

6 http://www.friedenskonferenz.info/index.php?ID=4

7http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/deutscher-aussenhandelsueberschuss-ist-kapitalexport-und-schadet-d-a-1111265-3.html

8http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-03/hungersnot-un-hungertote-krise-vereinte-nationen-yemen-suedsudan-somalia-nigeria

9http://sicherheitskonferenz.de/de/Aufruf-SiKo-Proteste-2017

10http://sicherheitskonferenz.de/Siko2017/SiKoZ-2017-4-Seiten-bunt.pdf

11http://rotesmuenchen.blogspot.de/

12http://lowerclassmag.com/2017/04/deutsche-panzerfahrzeuge-tuerkische-bomber-der-krieg-gegen-die-jesiden-im-irak/

13http://sicherheitskonferenz.de/de/node/6859

14Genau genommen “zitiert” Lisa Fitz hier Michael Flynn, ehem. Chef der DIA. Sie benutzt ihn hier aber als Kronzeugen gegen die Politik der USA und macht sich die Inhalte zu eigen. Teile des Zitats haben wir in Interviews gefunden, für Teile gar keine Quelle. Auf jeden Fall ist es aus dem Kontext gerissen.

15http://www.judicialwatch.org/wp-content/uploads/2015/05/Pg.-291-Pgs.-287-293-JW-v-DOD-and-State-14-812-DOD-Release-2015-04-10-final-version11.pdf

Demonstration “Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!”

befreiung
Demonstration zum 8. Mai:
Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus!

18:30 Uhr: Treffpunkt am DGB-Haus, Schwanthalerstr. 64, U-Bahn Theresienwiese

Am 8. Mai wurde Europa vom deutschen Faschismus befreit.
Von einem System, welches GewerkschafterInnen, KommunistInnen, SozialdemokratInnen, Liberale und Andersdenkende verfolgte, ihre Organisationen zerschlug und zur Flucht zwang und ermordete. Von einem System, welches jüdische Menschen, homosexuelle Menschen und Unangepasste verfolgte und versuchte sie zu vernichten. Von einem System, welches in der industriellen Ausbeutung und Vernichtung ganzer Bevölkerungsgruppen mündete und seinen Höhepunkt in der versuchten Vernichtung aller Jüdinnen und Juden fand. Von einem System, in welchem durch Zwangsarbeit, Raub durch „Arisierung“ und Krieg und Besatzung die deutschen Banken und die deutsche Chemie- und Rüstungsindustrie profitierte.
Der 8. Mai ist zwar immer noch kein offizieller Feiertag, doch wir und viele Menschen in ganz Europa feiern ihn als Tag der Befreiung. Unsere Befreiung verdanken wir den Streitkräften der Antihitlerkoalition, allen vorran der Soldaten aus den USA, aus Großbritanien und der Sowjetunion. Die Verhinderung noch größeren Leids und Unrechts verdanken wir all den Menschen, welche auf viele unterschiedlichen Arten Widerstand geleistet haben und den Partisaninnen und Partisanen in vielen Ländern. Wir gedenken ihnen, indem wir uns auch heute dafür einsetzen, dass die Losung „Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus!“ Wirklichkeit wird.
Deswegen stehen wir heute auf gegen völkische Hetze und Kriegstreiberei. Deswegen setzen wir uns dafür ein, dass das Morden in Kriegen und die Vorbereitung weiterer Kriege, ob durch Fundamentalismus oder Profiterwartung motiviert, aufhört. Wir wollen 25 Jahre nach den rassistischen Pogromen von Rostock-Lichtenhagen nicht zusehen wie Autos von Antifascht_innen und Heime von Geflüchteten angezündet werden. Wir wollen nicht zugucken wie Faschist_innen offensiv für ihre menschenverachtende Ideologie werben und Menschen einschüchtern. Wir müssen verhindern, dass faschistoide Politik und Organisationen breitere Zustimmung erfahren und weiterhin Stichwörter für die etablierte Politik liefern kann. Wir werden verhindern, dass am 8. Mai 2017, dem Tag der Befreiung, Faschisten ungestört demonstrieren können.
Am 8. Mai fragen wir nicht nach Verband und Partei. Wir gehen mit einer gemeinsamen Überzeugung auf die Straße:
Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

Der Aufruf der Münchner Gewerkschaftsjugend wird unterstützt durch: Antifaschistische Plattform Oberland – APO, Antikapitalistische Linke München, Antifa Stammtisch München, Arbeitskreis gegen Rechts bei ver.di München & Region, Bildungsfreiräume e.V., Deutsche Kommunistische Partei DKP Betriebsaktiv München, DIE LINKE. München Kreisverband, Münchner Freidenker Verband e.V., Föderation Demokratischer Arbeitervereine e.V. DIDF-Jugend München, GEW – Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Stadtverband München, Kreisjugendring München-Stadt (KJR), linksjugend [‘solid] basisgruppe münchen, Löwenfans gegen Rechts, MÜNCHNER BÜNDNIS GEGEN KRIEG UND RASSISMUS, Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend SDAJ München, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Kreisvereinigung München

Eindrücke von Samstag – Demo gegen die “SiKo”

Letztes Wochenende fand die alljährliche “Sicherheits”konferenz in München statt, gegen diese gruselige  Versammlung von Politik, Rüstungsindustrie und Militärs aus aller Welt von gingen wieder Tausende Menschen auf die Straße. Gegen Krieg, Ausbeutung und Kapitalismus!

Hier schonmal ein paar Eindrücke als Video. Ein ausführlicher Bericht folgt.