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Sexuelle Belästigung in der Clubszene

2016 wurden laut Polizeistatistik 33.533 Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung begangen, das sind knapp so viele Fälle, wie Buxtehude Einwohner*innen hat. 6476 Fälle hiervon wurden als Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung eingestuft. Dabei werden längst nicht alle Vergehen zur Anzeige gebracht.

Sexismus macht natürlich auch oder gerade vor der Clubtür keinen Halt. Wenn wir feiern gehen wollen, können wir uns dann entscheiden, ob wir unseren Abend in einem Club verbringen, der Frauen freien Eintritt vor 12 Uhr verspricht oder aber in den anderen Club gehen, in dem gerade die Ladies Night läuft, auf der alle erkennbaren und „optisch ansprechenden“ Damen mehrere Freigetränke bekommen. Bei all diesen tollen Angeboten, geht es natürlich nicht darum, eine gute Grrrls*Night oder eine FLTI* Party zu schmeissen, auf denen man für wenig Geld zu gutem Rausch kommt. Nein, bei gerade diesen Veranstaltungen ist das Ziel vor allem die Frauenquote im Club hochzuhalten und somit die Männer auf ihre Kosten kommen zu lassen. Der bekannte Münchner Club P1 bewirbt eine Veranstaltung beispielsweise so: „Ganz nach dem Motto „2 Hot 2 Pay“, gehen alle Cocktails für unsere besseren Hälften aufs Haus, die Herren der Schöpfung gehen [somit] natürlich auch nicht ganz leer aus.“

Selbst wenn es kein von dem Club selbst ausgeschriebenes, in diese Richtung gehendes Partymotto gibt, lassen es sich einige Männer natürlich nicht nehmen, ihr ins Auge gefasstes Zielobjekt, ob gewollt oder ungewollt, mit ein paar über die Theke gehenden Scheinen und Drinks in ein meist unangenehmes Gespräch zu verwickeln. Sich aus dem daraus konstruierten Schuldverhältnis wieder loszulösen, erweist sich als schwierig, dadurch dass das Gegenüber nicht locker lässt, ein eindeutiges „Nein“ nicht akzeptiert und die räumliche Enge für sich ausnutzt.

Aber nicht nur an der Theke, sondern auch auf der Tanzfläche scheinen andere Maßstäbe für die meisten männlichen Besucher zu gelten. Wer nicht explizit und mehrfach sein Desinteresse kund tut und zur Not sogar Gewalt anwendet, wird oft ungefragt angetanzt, angefasst, bedrängt. Wer sich nach so einer Situation beschwert oder nach Hilfe fragt, wird meistens mit einem „stell dich nicht so an!“, „wenn du dich so anziehst, brauchst du dich nicht wundern“ oder „ist doch ganz normal“ abgespeist. Eine solche Grenzüberschreitung wird von den meisten anderen Clubbesuchern als Selbstverständlichkeit verstanden. Die daraus möglicherweise entstehende Ohnmacht lässt der Betroffenen* nicht viele Möglichkeiten offen.
Eine Konsequenz daraus wäre, sich der Clubszene komplett abzuwenden oder ausschließlich Partys mit Awarenesskonzept zu besuchen. Aber auch in den scheinbar so aufmerksamen und reflektierten Kreisen, in denen wir meinen uns hauptsächlich zu bewegen, kann man sich nicht sicher sein, dass Mensch sich unbefangen und frei von Übergriffigkeiten bewegen und eine nice Party feiern kann.

Da wir das alles nicht so hinnehmen wollen, wie es jetzt ist, sollte es jedoch auch an uns sein, Konzepte zu überlegen, wie wir ein angenehmes und sicheres feiern für jede* und jeden* ermöglichen können. Bei bereits existierenden Projekten wie „Ist Luisa hier?“ oder „Wo gehts nach Panama?“ handelt es sich um ein Konzept welches von einem einem Frauen-Notruf entwickelt wurde, um Frauen* in der Feierszene einen konkreten Support zu bieten indem sie sich mit dem Codewort „Luisa“ in Clubs und „Panama“ auf Festivals diskret an das bereits geschulte Personal wenden können und Hilfe erhalten. Städte und deren Locations können sich diesem Projekt anschließen, weder Hannover, noch München sind bisher auf deren Website als Beteiligte Städte aufgelistet.
Wir müssen jedoch nicht warten, bis andere beschliessen tätig zu werden. Eine weitere Möglichkeit wäre es z.B. die Security nicht ausschließlich mit cis-Männer zu besetzten sondern auch mit Türsteherinnen* oder aber auch, ein eigenes Awarenessteam zu bilden um eine weitere Ansprechmöglichkeit zu haben und somit Aussenwirkung zu schaffen.

Übernehmt selbst Verantwortung.
Seid ein Teil von solidarischem und sicherem Feiern.
Achtet auf euer Umfeld, fragt nach, bietet support.
Animiert eure Stammkneipen dazu, sich ein Awareness Konzept zu überlegen.

DONT TELL US HOW TO DRESS, TELL THEM NOT TO RAPE!

Antifeminist*innen das Handwerk legen!

Das Patriarchat ist alt und umgibt uns überall. Täglich reproduzieren wir es in der Art, wie wir miteinander umgehen und uns gegenseitig wahrnehmen: Entsprechend uns zugeschriebenen Rollen, gespiegelt an der Norm; sei es eine nicht hinterfragte Routine in
romantischen Beziehungen oder die flächendeckende Ungleichbehandlung von Frauen* in Jobs. „Ganz natürlich“ wird erwartet, dass Frauen* die Pflege von Kindern, Kranken und Alten in ihrer Freizeit erledigen – beziehungsweise wird diese Arbeit für einen miesen Lohn von Frauen* mit noch weniger wirtschaftlichen Möglichkeiten gemacht.

Eine ungleich härtere Ausbeutung und geplante Doppelbelastung passiert mit einer Selbstverständlichkeit, zu der es auch gehört, dass Frauen* Übergriffe erfahren – und zwar nicht nur die Verbalen.

Feministinnen haben viele Freiheiten, wie die Unabhängikeit einer Frau
von Ehemann und Vater ab 1977, erkämpft. Aber 2017 wird noch immer eine
Ärtzin verurteilt, weil sie Abtreibungen durchführt und darüber
informiert. Ebenfalls 2017 wurde dann das Sexualstrafgesetz geändert.
Dieses hat nun immerhin nicht mehr zur Vorraussetzung, dass die
Betroffene Spuren aus einer körperlichen Auseinandersetzung als Beweis
dafür tragen muss , dass sie sich gewehrt hat. Dennoch steht sie
nachwievor unter einem (vielleicht noch größeren) Rechtfertigungs- und
Erklärungsdruck und die Prämisse Nein-heißt-nein wird einfach immer noch
nicht durchgesetzt. Es liegt also noch viel im Argen, auch wenn eine
gesetzliche Gleichstellung und der Schutz vor Diskriminierung sich
weiter entwickeln.

Stufenweise Entkriminalisierung ist schon mal gut, Gleichberechtigung
wäre noch besser – aber um was es wirklich gehen muss, ist
Selbstbestimmung.

 

Antifeminismus als Teil rechter Ideologien

Antifeminismus stellt sich genau gegen diese Errungenschaften.
Die Frau soll zum Einen der Familie, dem Staat, der Nation unterstehen.
Zum Anderen macht sie eine ganz bestimmten Anforderung quasi zum Objekt
des öffentlichen Interesses – nämlich die der zur Reproduktion
verpflichteten Frau*. In die Selbstbestimmung von Frauen mischt sich die
BRD beispielsweise mit dem Abtreibungsparagraphen 218 ein. Der geht den
rückwärtsgewandten und chauvinistischen „LebensschützerInnen“ mit ihrer
fundamentalreligiösen und völkischen Motivation noch nicht weit genug –
wir kennen sie von ihren (Gebets-)Kundgebungen vor Kliniken und
Beratungsstellen: ALfA, CDL (Christdemokraten für das Leben, CDU/CSU),
„Europäische Ärzteaktion in den deutschsprachigen Ländern e.V.“, „Helfer
für Gottes kostbare Kinder e.V.“ etc.etc.etc. Einen der unzähligen
Knotenpunkte zwischen „Lebensschützer*innenszene“ und der AfD stellt die
Gründerin und Sprecherin der „Zivilen Koalition e.V.“, Beatrix von
Storch, dar. Die AfD biete Homohassern und AbtreibungsgegnerInnen „als
einzige relevante Partei (…) eine Zuflucht“, lobt so auch eine Frau
Kempf aus dem Bundesvorstand ALfA.Denn die AfD versucht,
Gleichstellungsgesetze auf palamentarischem Wege rückgängig zu machen.

Wie ihrem Parteiprogramm zu entnehmen ist, sieht sie nicht nur die
Familie als Keimzelle der Nation, sondern stellt sich explizit gegen
Schwangerschaftsabbrüche, Homosexualität und geschützten
Geschlechtsverkehr. Denn das sei „unvereinbar mit den vitalen Interessen
der Deutschen.“ Ähnlich wie andere Rechte, schwafelt sie von einer
„Schrumpfung der angestammten Bevölkerung“ und einem „naturgegebenen
Unterschiede zwischen den Geschlechtern“: Dem soldatischen Mann und der
fürsorglichen kinderreichen Mutter.
Außerdem möchte sich die AfD mit einer „gezielten Politik für Männer und
Väter“ an MännerrechtlerInnen anbiedern. PöblerInnen gegen
Gendermainstreaming in sozialen Medien haben ohnehin die Tendenz zu
einer rechtsnationalen Weltanschauung. Sie und die Nazis vom 3. Weg
bejubeln gemeinsam einen Höcke, der sagt: „Wir brauchen mehr
Männlichkeit.“ Und ein Bystron, der seiner Parteikollegin erklärt, dass
Frauen wie sie lieber an einer Stange tanzen sollten als Politik zu
machen, ist mit dieser Aussage genau ihr Mann. Wer so über Frauen* denkt
und spricht, hat dann auch kein Problem damit, so zu tun, als würde es
ihm um ihren Schutz gehen – solange es denn dabei hilft,
rassistischen Hass zu verbreiten. Dass dies das übliche Blabla von
Faschos ist und nicht das Geringste mit Feminismus zu tun hat, ist
allgemein bekannt.
Denn Feminismus bedeutet für eine befreite Gesellschaft ohne
Unterdrückung und Bevormundung zu kämpfen.

Feminismus darf sich nicht darauf beschränken, Antifeminismus abzuwehren
und dem allgemeinen sexistischen Backlash entgegen zu treten. Sich für
den Feminismus stark zu machen, ist die gelebte Solidarität unter
Frauen*!

 

Manche bezeichnen den Feminismus als Nebenwiderspruch, andere nennen ihn
eine Ausgeburt der Dekadenz. Dabei ist es doch so, dass der Kapitalismus
die Dynamik patriarchaler Strukturen wohl für sich nutzt, aber mit
seinem Verschwinden diese Ungleichheit unabhängig weiterbestehen kann,
sowie sie schon davor existierte.

 

Das Werkzeug, um sie zu zerlegen, ist der Feminismus.

http://feministsubversion.blogsport.eu
http://deconstructreality.blogsport.eu

unter uns…

Gedanken zum Umgang mit sexualisierter Gewalt in der radikalen Linken

Triggerwarnung: Wir thematisieren in diesem Text unter anderem den Umgang mit Übergriffen und sexualisierter Gewalt, außerdem verlinken wir Statements und Hinweise mit explizitem Inhalt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorab solidarisieren wir uns mit den Frauen, die kürzlich Mitglieder der Band Wolf Down vor dem Hintergrund von Vergewaltigung, bzw. physischer, sowie psychischer Gewalt outeten. Generell gilt unsere Solidarität allen Betroffenen von Übergriffen, Grenzüberschreitungen und sexualisierter Gewalt, insbesondere auch Personen, die nicht gehört werden und die keinen Raum haben, sich öffentlichkeitswirksam zu äußern.

Dieser Text entsteht aus den Gedanken einiger Frauen* die sich selbst nicht explizit in der Hardcore-Szene verorten. Wir erkennen dennoch Parallelen und teilweise personelle und strukturelle Überschneidungen mit der radikalen Linken und ihrem Umgang mit solchen Geschehnissen. Deshalb und weil derartige Übergriffe auch in diesen Kreisen keine Ausnahmen sind, müssen wir über einen konsequenten und angemessenen Umgang mit sexualisierter Gewalt sprechen. Uns geht es dabei um reflektiertes, weiterführendes Bewusstsein, Positionierung, verantwortungsvolles Verhalten und Sensibilität.

Wir wollen und können keine vollständigen Handlungsanweisungen aufstellen, vielmehr haben wir die Hoffnung, hiermit einen breiteren Diskurs anzuregen. Einen Text in einem sozialen Netzwerk zu teilen ersetzt keine ausreichende Reflexion. Es geht um patriarchale Mechanismen, die uns alle angehen.

Vor einigen Tagen outeten zwei Frauen ein Mitglied der Hardcore-Band Wolf Down, Übergriffe und Vergewaltigungen begangen zu haben (Outing). Dadurch ermutigt, schlossen sich weitere Frauen* den Vorwürfen an und berichteten teils eigene Erfahrungen mit derselben Person und anderen Bandmitgliedern (Final Statement). Die Band löste sich als Reaktion auf die Anschuldigungen auf, dies veröffentlichten sie auf ihrer Facebookpage im Zuge von Rechtfertigungen der Geschehnisse.

Nach unserem Gefühl wiederholt sich diese Vorgehensweise nicht nur in der Hardcore-Szene (lesenswerter Artikel dazu), sondern ist als Muster in unterschiedlichsten Zusammenhängen zu erkennen. Auf eine öffentliche Beschuldigung folgt ein Statement, Taten werden mehr oder weniger eingestanden und Besserung beteuert.

Doch wie schaffen wir in einer Szene, die einen emanzipatorischen Anspruch hat, einen passenden Umgang mit solchen Vorfällen zu finden und solidarisch zu handeln?

Übergriffe passieren jeden Tag. Überall. Keine*r kann sich da herausnehmen.

Es ist unangenehm, die eigenen Verhältnisse zu checken, sich einzugestehen, dass es im eigenen Umfeld Grenzüberschreitungen gibt und Mensch selbst daran beteiligt sein kann. Täter*innen handeln nie allein. Das Standing von Täter*innen wird geschützt durch Menschen, die wegschauen, die schweigen, aus Angst, die eigene Position zu verlieren oder als Verräter*in zu gelten.

Uns nervt die große Überraschtheit, die immer wieder aufs Neue geäußert wird, wenn Übergriffe durch Personen mit gewissem Standing innerhalb ihrer eigenen Kreise öffentlich geoutet werden.

Auf die plötzliche Erkenntnis, dass wir in einer rape culture leben, das eigene Gewissen mit einem Facebookpost zu erleichtern oder mit einer Instagram Story seine*ihre Betroffenheit kundzutun, wie sich am Fall von Wolf Down mediale Reaktionen zusammenfassen lassen, ist lange nicht ausreichend. Es ist nicht damit getan, Sticker abzukratzen und das Band-Merch zu verbrennen. Natürlich ist es sinnvoll, dass Menschen den Rahmen ihres Mediums ausnutzen, um symbolisch Solidarität mit den Betroffenen zu bekunden. Trotzdem kann dieses massenhafte Solidaritätsbekenntnis keinen Ersatz für eine tiefgreifende und langfristige Auseinandersetzung mit der Thematik darstellen.

Dass Menschen offenbar erstaunt und entsetzt auf die Ereignisse reagieren, folgt aus der Arroganz, als Teil einer „reflektierten“ Szene, die sich selbst als emanzipatorisch versteht, unfehlbar zu sein. Auch spiegelt die Überraschung den gravierenden Mangel an Auseinandersetzung mit vermeintlichen „Tabuthemen“ wie sexualisierter Gewalt.

Wenn sich eine betroffene Person dazu entscheidet, einen Vorfall bekannt zu machen, passiert es häufig, dass sie sich gezwungen sieht, Details preiszugeben und einen extrem intimen Erfahrungsbericht abzulegen, um überhaupt als glaubwürdig anerkannt zu werden. Das eine abstrahierte Aussage ohne weitere Erklärungen für Viele nicht ausreichend ist, liegt in unseren Augen an den bestehenden Verhältnissen und daran, dass sich nicht genug mit jeglicher Form von Grenzüberschreitung auseinandergesetzt wird und dadurch unsensibel und wiederum grenzüberschreitend nachgefragt wird. Hierbei wäre es wichtiger, sich den Fakt der individuellen Wahrnehmung bewusst zu machen: Situationen wirken unterschiedlich drastisch auf Personen, Grenzen werden verschieden gezogen.

Einen Raum oder eine Plattform zu schaffen, um im Allgemeinen über rape culture zu diskutieren und sich selbst zu reflektieren, ist zwingend notwendig, um eben dieses Bewusstsein zu schaffen und zu verankern. Eine Möglichkeit, um Erfahrungen auszutauschen, Erlebnisse aufzuarbeiten und Strategien zu entwickeln, kann ein safe space bieten.

Selbst in einer linken Struktur, die auf Kritik und Kritikfähigkeit aufbaut, erfahren Frauen* durch männlich dominiertes Redeverhalten und Unterrepräsentation weniger Gehör und Sichtbarkeit. Es sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass Feminismus und Antifaschismus untrennbar sind. Deswegen sollten beide Themen mit derselben Priorität und Ernsthaftigkeit behandelt werden und nicht nur auf die Kapazitäten von Fantifa*-Gruppen abgewälzt werden.

Der „Fall“ Wolf Down ist ein gutes Beispiel dafür, dass es Allgemein nicht als krasser Widerspruch wahrgenommen wird, wenn sich eine Personengruppe als antifaschistisch, antisexistisch und feministisch labelt, aber dennoch jahrelang übergriffig und mackrig handelt.

Vorfälle, wie diese sind keine Ausnahmen. Ziel für uns alle sollte sein, Übergriffe als anhaltendes Problem zu erkennen und zu benennen, sie nicht als kurzfristige Störung des Bestehenden zu verharmlosen. Solidarität mit den Betroffenen beginnt für uns mit der fundierten Auseinandersetzung mit Strukturen sexualisierter Gewalt.

 

Achtet auf eigene Grenzen und die Grenzen anderer

Schaut auf Euch und Aufeinander

Hört zu

Seid sensibel

 

 

Was ist sexualisierte Gewalt?

 

Beratungsstellen für Betroffene sexualisierter Gewalt

http://www.imma.de/

https://www.profamilia.de/

Demo gegen 1000 Kreuze Marsch

Pro-Choice-Demo – voraussichtlich am 25. Juli 2017 in Salzburg

So sicher wie das Amen im Gebet: Pro Choice is ois!

2008 gab es erstmals (pro-)feministische Proteste gegen den ersten „1000 Kreuze Marsch“ in Salzburg. Dabei standen Pro-Choice-Aktivist_innen christlich-fundamentalistischen AbtreibungsgegnerInnen gegenüber. Zweitere propagieren ein sexistisches, rassistisches, transphobes und homophobes Weltbild. Frauen* ordnen sie einzig die Rolle einer Mutter zu und Abtreibung wird mit Mord gleichgesetzt. Pro-Choice (englisch „für die Wahlfreiheit“) steht hingegen für das sehr einfache und einleuchtende Prinzip, dass gebärfähige Menschen, das heißt Frauen*, Lesben, Inter- oder Trans-Menschen (kurz: FLIT), sehr gut selbst entscheiden können und sollen, ob, wann und wieviele Kinder sie bekommen möchten. Dazu gehört selbstverständlich auch das Recht auf einen frei zugänglichen Schwangerschaftsabbruch. Frei zugänglich bedeutet auch, dass dieser kostenfrei sein, in zumutbarer Nähe angeboten werden und die Entscheidung für und gegen Kind(er) unterstützt werden muss.

Reproduktive Rechte bedeuten, dass ALLE Menschen das Recht haben auf einen selbstbestimmten Umgang mit ihrer Gebärfähigkeit. Dazu gehört das Recht, Kinder zu bekommen genauso wie das Recht, keine Kinder zu bekommen. Dazu gehören auch der Zugang (zu Informationen über) Verhütungsmethoden, eine gute und unterstützende gynäkologische Gesundheitsversorgung, seriöse Informationen und Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen, sowie eine gute medizinische Versorgung vor, bei und nach der Geburt. Es wird behauptet, die Welt wäre von „Überbevölkerung“ bedroht. Dies erweckt den Anschein, dass Frauen* verantwortlich für Not und Elend wären, weil sie zu viele Kinder kriegen würden. Diese Anschuldigung richtet sich vor allem gegen Frauen* im globalen Süden, Women* of Colour, Refugees und als „anders“ oder „fremd“ markierte Menschen. Hinter dem Schein eine soziale Position gegen Hunger und Armut zu vertreten, verbirgt sich eine Weiterführung rassistischer und kolonialistischer Zuschreibungen, anstatt gegen die eigentlichen Ursache, Rassismus, Sexismus und Kapitalismus, aktiv zu werden. Genausowenig bekommen Frauen* zu wenig Kinder. Diese Argumentation finden wir ebenso in rassistischen Argumentationen, die einen „Volkstod“ befürchten und gleichzeitig behaupten, es wäre die Pflicht einer weißer Frauen* Kinder zum Wohle des Landes zu bekommen.

Der Glaube, dass in Österreich eine Abtreibung doch eh legal oder leicht zugänglich sei ist falsch. Erstens ist ein Schwangerschaftsabbruch straffrei, nicht legal. Zweitens gibt es noch immer zwei Bundesländer, in denen der Eingriff in öffentlichen Spitälern nicht angeboten wird: Vorarlberg und Tirol. Das heißt, dass viele ungewollt Schwangere reisen müssen – Stichwort Abtreibungstourismus. Wenn diese nach Salzburg fahren, müssen sie die Klinik doch erst einmal finden. Die Gynmed, die Abtreibungen im Landeskrankenhaus Salzburg durchführt, ist weder auf der Homepage des Landeskrankenhauses zu finden, noch am Gelände beschildert. Das Thema wird nach wie vor tabuisiert. Denn der Versuch des Verschweigens dieses Angebotes verleiht Abtreibungen den Anschein, dass ungewollt Schwangere dies verheimlichen oder sich schämen müssten. In Wahrheit handelt es sich um einen Eingriff1 der ca. 15 Minuten dauert.

Zurück zum Anfang: Auch dieses Jahr wollen fundamentalistische AbtreibungsgegnerInnen das Recht auf einen sicheren Schwangerschaftsabbruch in Frage stellen. Auch dieses Jahr machen sie dabei öffentlich Stimmung gegen Frauen*, Trans- und Inter-Menschen. Gegen homo-, bi- und pansexuelle Menschen. Gegen Menschen, die nicht in monogamen Partner_innenschaften leben wollen. Gegen eine antirassistische und emanzipatorische Gesellschaft. Und auch dieses Jahr stellen sie sich als „VertreterInnen“ von Menschen mit Beeinträchtigung oder Lernschwierigkeiten auf die Straße. Doch sie treten vielmehr für ein neoliberales Credo der Schuldverschiebung von weltweiten kapitalistischen Zuständen auf Frauen* ein, anstatt echte Unterstützung anzubieten.

Das alles wollen wir nicht hinnehmen! Gegen Scham! Gegen Heimlichtuerei! Gegen das schlechte Gewissen!

Für Zugänglichkeit zu Abtreibungen und seriöse Informationen darüber! Für eine (queer- und pro-)feministische, antirassistische, solidarische und emanzipatorische Gesellschaft! Für reproduktive Rechte! Für eine echte Wahlfreiheit!

Und deshalb: Nieder mit dem Kapitalismus!”

Kommt zur Pro-Choice-Demo – voraussichtlich am 25. Juli 2017 in Salzburg! Achtet auf weitere Ankündigungen!

1 Es gibt in der Gynmed die Möglichkeit eines chirurgischen Eingriffes bis zur 14. Schwangerschaftswoche oder eines medikamentösen Abbruches bis zur 9. Schwangerschaftswoche.”

Queerthing Summer Festival

 

 

 

 

 

 

 

“The all new QUEERTHING super special summer festival extra”

1 Juli, 18 Uhr, Glockenbachwerkstatt

Ab 18:00 Picknick im Biergarten

20:00 Vernissage QUEERTHING curates
Im Rahmen unseres “The all new QUEERTHING super special summer festival extra” am Samstag 1.Juli haben wir die Möglichkeit, einen Monat lang die Wände der Glockenbachwerkstatt zu gestalten. Da das Queerthing für das Auseinandersetzen und Sichtbarmachen von queeren und feministischen Inhalten steht, freuen wir uns sehr, damit allen, die in den hetero-, cis-normativ und white supremaciest Strukturen keinen Platz haben, eine Möglichkeit zu bieten ihre Kunst auszustellen. Insbesondere möchten wir Flit*- und von Rassismus betroffene Personen dazu ermuntern, sich an der Ausstellung zu beteiligen.

20:30 Open Stage
Space für euch – egal ob Spoken Word, Musik oder andere Performances

21:30 Konzerte
Deep & Dope (female Rap/ muc)
Mayr (Genderfuck Electro-Punk One-Mayr-Projekt/ wien)

ca. 23:30 Aufgelege
mit DJ Team Deine Mitta & LukeLucie (riot grrls/ muc)

Antifa-Kongress Bayern 2017

“2017 kommt der Antifa-Kongress Bayern wieder nach München. Vom 3. bis zum 5. November wollen wir mit euch gemeinsam in Austausch treten, diskutieren, Perspektiven und Strategien entwickeln. In einer Reihe von Vorträgen werden wir uns mit rechten Bewegungen, Ressentiments und Ausgrenzung auseinandersetzen und an Debatten um Kapitalismuskritik, Geschlechterverhältnis und Alternativen zu den herrschenden Zuständen anknüpfen. Auch dieses Jahr soll der Kongress einen Rahmen zum Kennenlernen und Vernetzen bieten.
Außerdem werden wieder praktische Workshops, etwa zu Emotionaler Erster Hilfe, Stop-Deportation- und Demosani-Arbeit, auf dem Programm stehen. Und natürlich wird auch diesmal Party und Abgehänge nicht zu kurz kommen.”

“Gender-Kongress”

Nürnberg: Maskulistischer, antifeministischer „Gender-Kongress“. Zum zweiten Mal nach November 2015 will die maskulistische, antifeministische Szene einen sog. „Deutschen Gender-Kongress“ in Nürnberg durchführen (9.00 Uhr bis 17.00 Uhr, Messezentrum NCC Ost, Karl-Schönleben-Straße 1).

Mit einer wissenschaftlichen Debatte  zu Gendertheorien oder politischer Diskussion antipatriarchaler Gleichstellungspolitiken hat die Veranstaltung – wie bereits 2015 – augenscheinlich überhaupt nichts zu tun. In der aktuellen Ankündigung heißt es: „Wenn Frauen und Mädchen Opfer sind, ist Leidenschaft und politisches Engagement in unserer Gesellschaft reichlich vorhanden. Ihren Bedürfnissen wird in den Medien und der Politik hohe Aufmerksamkeit geschenkt. Geht es jedoch um die Bedürfnisse und dem Leiden von Jungen, Männern und Vätern, stößt man auf eine Blockade. Diese Themen werden ausgeblendet – es sei denn, es geht darum, ihnen etwas vorzuwerfen oder sie herabzusetzen.“ (Fehler im Original). Die Veranstalter verhöhnen die Kampagne des Bundesfamilienministeriums gegen häusliche Gewalt („Was passiert, wenn ich ihn anzeige?“) und schreiben: “Was soll schon passieren? Du kriegst die Kinder, die Wohnung und ihn bringst du für 5 Jahre unschuldig in den Knast“.

Die sog. „maskulistische“ Szene bekennt sich in Zusammenhang mit dem Treffen in Nürnberg aber auch zu homophoben Aktivitäten. So heißt es: „Der Kongress basiert inhaltlich auf der Arbeit folgender Verbände, Vereine und Initiativen bzw. deren Mitglieder“ und dann folgt nicht nur das Who is Who der Maskulisten von „Manndat“, „Gender Wahn stoppen!“ bis „WikiMannia“ mit ihren Symbolen und Bannern, sondern auch das Logo der homophoben „Demo für Alle“. Als Veranstalter wird die „Trade 5 GmbH Event & Kongress“ (München) benannt, „in Zusammenarbeit mit Väter-Netzwerk e. V.“ (Stein bei Nürnberg). Im Impressum der Webseite zum Kongress firmieren „Trade 5“-Geschäftsführer Rainer Winter sowie Frank Mehding als „inhaltlich Verantwortliche gemäß §6 MDStV“. Im Anschluss an den sog. „Gender-Kongress“ (17.30 Uhr bis ca. 22.00 Uhr) soll am selben Ort ein „Bundesverband ‘Jungen, Männer & Väter e.V., Berlin’“ gegründet und der „Männerrechts“-Film „The Red Pill“ gezeigt werden.

Quelle: Aida-Archiv

Kein Schlussstrich – Tag X

Aufruf zu einer Demonstration und Kundgebung zu Beginn der Urteilsverkündung im NSU-Prozess in München

Wir wollen wissen, wer für die Mordserie, die Anschläge und den Terror verantwortlich ist. Die Beschränkung der Bundesanwaltschaft auf das Trio Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe und ihr nächstes Umfeld ignoriert den Netzwerkcharakter des „Nationalsozialistischen Untergrunds“. Der NSU war keine isolierte Zelle aus drei Personen, der NSU war auch mehr als die fünf Angeklagten vor dem Oberlandesgericht. Nicht zuletzt die Arbeit der Nebenklage hat diese Grundannahme längst widerlegt. Ohne militante Nazi-Strukturen wie Blood and Honour, lokale Kameradschaften oder etwa den Thüringer Heimatschutz um V-Mann Tino Brandt und Ralf Wohlleben, wäre der NSU wohl schwer möglich gewesen. Die Aufklärung im Rahmen des Prozesses wurde jedoch konsequent unterbunden, auch durch die eng geführte Anklageschrift der Bundesanwaltschaft und die Weigerung, der Nebenklage komplette Akteneinsicht zu gewähren.

Es geht uns um die Entschädigung der Betroffenen, Überlebenden und Hinterbliebenen sowie die Würdigung ihrer Perspektive in der Debatte. Es war gerade auch das Umfeld der Mordopfer, das früh darauf bestand, eine rassistische Motivation für die Taten in die Ermittlungen einzubeziehen. Etwa auf den Schweigemärschen in Kassel und Dortmund, die unter dem Motto „Kein 10. Opfer!“ die Aufklärung der Mordserie forderten. Stattdessen richteten sich die Untersuchungen vornehmlich gegen das Umfeld der Opfer und Betroffenen. Immer wieder gerieten auch Hinterbliebene der Ermordeten ins Visier der Behörden. Aus der deutschen Mehrheitsgesellschaft konnten sie keine große Anteilnahme erwarten: als Menschen mit Migrationsgeschichte durften sie nicht einfach Opfer sein – etwas potentiell Kriminelles, irgendwie Gefährliches musste doch an ihnen haften. Dies zog sich wie ein roter Faden durch die Ermittlungen, sowohl bei den „Česká-Morden“ als auch bei den Anschlägen des NSU, etwa auf die Kölner Keupstraße, und das obwohl zum damaligen Zeitpunkt keinerlei Verbindung zwischen den Taten zu bestehen schien. Doch es gab diese Verbindung: die Ermordeten, die Verletzten, die Attackierten waren durch ihre Migrationsbiografie ins Visier des rassistischen Terrors geraten. Und es waren rassistische Ressentiments bei Polizei und Sicherheitsbehörden, welche die Ermittlungen in die Irre führten, es waren rassistische Klischees, die Presseberichterstattung und Öffentlichkeit dazu brachten, die fantastischen Erzählungen von mafiösen und kriminellen Verstrickungen der Betroffenen zu verbreiten.

Wir müssen über Rassismus reden. Rassismus ist ein gesellschaftliches Problem. Und das gilt wortwörtlich: Diese Gesellschaft hat ein Rassismusproblem, und zwar ein gewaltiges. Rassismus wird dabei fälschlicherweise oft nur bei klassischen Neonazis verortet. Ebenso findet sich Rassismus auch jenseits der sogenannten neuen Rechten, die sich hinter den Bannern von AfD, Pegida und Konsorten versammeln. Rassismus findet sich in Ämter- und Behördenpraxis, Polizeiarbeit, der Art wie gesellschaftliche Ressourcen und Teilhabe verteilt werden. Rassismus findet sich in marktschreierischen Wahlkampfauftritten wie auch in subtil und vornehm formulierten Leitartikeln. Rassismus zieht sich durch die ganze Gesellschaft: Weil die Gesellschaft, wie sie derzeit eingerichtet ist, Hierarchie, Ausbeutung und Ausgrenzung zwingend hervorbringt und legitimieren muss. Weil eine von Herrschaft durchzogene Gesellschaft, in der Ressourcen und Positionen ungleich verteilt und umkämpft sind, nicht allein durch den Bezug auf eine angebliche gemeinsame „Kultur“ zusammengehalten werden kann, sondern die Abwertung anderer „Kulturen“ benötigt. Weil die „eigene“ Identität stabilisiert wird, indem negative Elemente auf die Projektion der „Anderen“ abgewälzt werden.

Wir fordern die Abschaffung des Verfassungsschutzes. Der Verfassungsschutz wusste nicht zu wenig, sondern zu viel. Das wurde bereits in den ersten Wochen nach der Selbstenttarnung des NSU deutlich. Doch während Image und Legitimität des Inlandsgeheimdienstes zumindest zwischenzeitlich Schaden nahmen und und viele Stimmen bis weit ins bürgerliche Lager seine Abschaffung forderten, ging er letztlich doch unbeschadet aus der Affäre und steht mittlerweile wahrscheinlich sogar besser da als zuvor. Er konnte nicht nur seine gesellschaftliche Reputation wiederherstellen, sondern sogar seine Befugnisse ausweiten. Für uns ist die Sache jedoch nicht erledigt: Für uns bleiben Fragen: Fragen bezüglich der wiederholten, planmäßigen Vernichtung relevanter Akten; Fragen zur Rolle des Verfassungsschützers Andreas Temme, der sich im Internetcafé Halit Yozgats aufhielt, als dieser ermordet wurde, und angeblich nichts bemerkt haben will; Fragen zu V-Mann Piatto, der schon 1998 wichtige Hinweise über die untergetauchten Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe weitergab; Fragen zu Ralf Marschner, der als V-Mann Primus im Kontakt mit den Untergetauchten gestanden haben soll. Die Liste ließe sich lange fortsetzen. Im Kampf gegen rechte Strukturen schließen wir uns nicht den wiederkehrenden Rufen an, der Verfassungsschutz solle künftig bitte auch diese oder jene rechte Gruppe beobachten. Nazis sind auch ohne Gelder, Aufbauarbeit und logistische Unterstützung des Geheimdienstes gefährlich genug. Mindestens diese Lehre sollte aus dem NSU gezogen werden.

Wir wehren uns gegen rassistische Stimmungsmache und Gewalt. Der NSU war nicht die erste Neonazi-Terrororganisation und es sieht auch nicht so aus, als sei er die letzte gewesen. In den letzten Monaten laufen und liefen mehrere Prozesse gegen Zusammenschlüsse wie die „Oldschool Society“ oder die „Gruppe Freital“. Daneben häufen sich die Meldungen von immer neuen Waffenfunden bei rechten Strukturen, immer neue gewaltbereite rechte Organisierungsansätze sprießen regelrecht aus dem Boden. Die Zahl der Brandanschläge und rassistischen Übergriffe ist in den letzten Jahren gravierend angestiegen. Und während sich der nette Herr von nebenan im Internet mit „Migrantenschreck“ genannten Schusswaffen eindeckt, legen die Entscheidungsträger_innen mit dem Abbau des Asylrechts und neuen Integrationsgesetzen vor, setzen Ausländerbehörde und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge auf Abschreckung, werden Sammelabschiebungen auf den Weg geschickt und Abschiebelager hochgezogen.

Nach vier Jahren lässt sich ein frustrierendes Fazit ziehen. Noch immer wird rechte Gewalt verharmlost, noch immer darf sich der Verfassungsschutz als Beschützer inszenieren, noch immer hat diese Gesellschaft Rassismus nicht überwunden, noch immer ist es nötig auf den institutionellen Rassismus in Deutschland hinzuweisen, wie das erst jüngst die UN und Nichtregierungsorganisationen getan haben und wie es Selbstorganisierungen von Betroffenen nicht erst seit gestern tun. Es wurden von Seiten der Mehrheitsgesellschaft keine erkennbaren Lehren aus dem NSU gezogen. Höchste Zeit also, dass sich das ändert. Initiativen wie „Keupstraße ist überall“ oder das „NSU-Tribunal“ und die zahlreichen Vereinigungen die lokal im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des NSU zusammen kamen, haben vorgemacht wie es geht.

Am Tag der Urteilsverkündung wollen wir mit euch auf die Straße gehen. Denn für uns bedeutet das Ende des Prozesses nicht das Ende der Auseinandersetzung mit dem NSU und der Gesellschaft, die ihn möglich machte:

Kein Schlussstrich! – NSU-Komplex aufklären und auflösen!

Verfassungsschutz auflösen – V- Leute abschaffen!

Dem aktuellen rassistischen Terror gegen Flüchtlinge und MigrantInnen entgegentreten!

Rassismus in Behörden und Gesellschaft bekämpfen!

Website

Frauen*kampftag 2017

Wir teilen den Aufruf vom Petra Pan Projekt für eine Kundgebung in Regensburg, zum Frauen*kampftag 2017.

We don´t want a piece of the pie. We want to change the whole damn recipe!

Wichtige Kundgebung!
Raus zum internationalen Frauen*KAMPFtag!

“Dieser Internationale Frauentag ist die wuchtigste Kundgebung für das Frauenwahlrecht gewesen, welche die Geschichte der Bewegung für die Emanzipation des weiblichen Geschlechts bis heute verzeichnen kann.”
Clara Zetkin, 1911

Als vor über 100 Jahren tausende Frauen in den USA auf die Straßen gingen, um für ein würdiges und gleichberechtigtes Leben zu kämpfen, wurden sie angespuckt, mit Knüppeln geschlagen und eingesperrt. Es kostete zahlreichen Aktivist*innen die Freiheit oder gar das Leben, es dauerte lang und dauert noch an. Vieles, was für uns im „Hier und Jetzt“ selbstverständlich erscheint, war noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar: das Recht auf Bildung, Beteiligung und Selbstbestimmung für Frauen etwa.

Doch warum immer wieder einhalten, zurückschauen und erinnern? Warum nicht das Errungene hinnehmen und weitermachen?

Ganz einfach: Weil das vermeintlich Errungene noch längst nicht für alle und überall gilt. „Nobody´s free until everybody is free“ wie die Bürgerrechtskämpferin Fannie Lou Hammer es einmal zusammenfasste. Und weil das Errungene nicht weit genug geht.

Feminismus reloaded?
Aber wofür heute noch kämpfen?
Oder wogegen?

Gerne wird an dieser Stelle, an diesem Tag oder in vergleichbaren Zusammenhängen der jeweils aktuelle Gender-Gap-Report zitiert. Die „Kluft zwischen den Geschlechtern“ hat sich weder in Sachen politischer Beteiligung noch im Bereich der Arbeitsbedingungen annähernd geschlossen. Auf gleiche Bezahlung und Co. dürfen Frauen* gemäß des jüngsten Berichts wohl noch weitere 170 Jahre warten. EqualPay und vermeintliche Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt – in einer neoliberalen, patriarchalen Gesellschaftsordnung bedeutet dies für Frauen* meist ohnehin nichts anderes als das mühsame Balancieren mit Belastungen im täglichen Spagat zwischen Berufstätigkeit und Care-Arbeit. Feministische Kämpfe betrafen und betreffen eben nicht nur rechtliche Rahmenbedingungen, verlangen nicht nur nach einem Stück vom Kuchen. So wichtig erkämpfte rechtliche oder institutionelle Errungenschaften auch sind und so sehr diese auch für alle jene erstritten werden müssen, die aktuell keinen Zugang dazu haben, so sehr müssen feministische Kämpfe sich auch auf den ganzen Kuchen konzentrieren. Es geht darum, dass verdammte Rezept einer kapitalistischen, patriarchalen Gesellschaftsordnung zu ändern.
Das betrifft auch das Verhalten der Akteur*innen, die in dieser Struktur sozialisiert wurden und sich in ihr bewegen. Das betrifft beispielsweise das Aufbegehren gegen sexualisierte Gewalt ebenso wie die Bekämpfung der Abwertung all jener Lebens- und Begehrensformen, die nicht ins hetero-normative Männlein-Weiblein-Kind-Schema passen. Das bedeutet aber auch eine Auseinandersetzung mit den strukturellen Begründungszusammenhängen.
Der erkämpfte Status Quo, der längst nicht weit genug geht und nicht für alle gilt, beginnt in Zeiten von Rechtsruck und Rollback zu bröckeln. Immer wieder versuchen rechtskonservative Parteien und fundamentalistisch-religiöse Strömungen Frauen* in vermeintlich „traditionelle“ Rollen zurückzudrängen. Frauenrechte werden von all jenen, die sich ansonsten einen feuchten Kehricht um Emanzipation und gesellschaftlichen Fortschritt scheren, allenfalls dann gerne aus der Versenkung geholt, wenn sie instrumentalisiert werden können, beispielsweise um rassistische Ressentiments zu schüren. Feministische Kämpfe richten sich nicht immer nur gen Zukunft. Manchmal ist eine Verteidigung gegen einen Rückfall in Zustände, die vermeintlich überwunden waren, bitter nötig.

Und deswegen lassen wir uns das Recht darauf nicht nehmen, gegen den sexistischen Normalzustand anzutreten, Tag für Tag.
All jenen, die feministische Kämpfe gerne als überflüssig, lächerlich oder gefährlich brandmarken, halten wir gernenoch einmal Clara Zetkin entgegen, die schon vor über 100 Jahren mahnte:„Lassen wir uns nicht schrecken durch die Ungunst äußerer Umstände, haben wir für alle Schwierigkeiten nur eine Antwort: Erst recht.”

In diesem Sinne: Es ist noch nicht Zeit aufzugeben, sich zurückzulehnen oder umzukehren!
Raus auf die Straße zum 8. März!
Raus zum internationalen Frauenkampftag!

BROKE BUT IN LOVE!

we are ugly but we have the music

Am 25. Februar wird es mal wieder Zeit, eure local Krawallmacher*innen zu supporten. Da gibt’s im Kafe Marat Soli-Bespaßung für die gute Sache. Man munkelt, es wird auch schönstes “Merch” zu erwerben geben.

Für Unterhaltung sorgen GrGr, Sprudelpanda und Rmtrnnr, Visuals kommen von Structure.

In Raum 2 wartet die Retro Konsolen Lounge, musikalisch untermalt von I’m not easily amused (goth for the bored and lonely).

Ab 21 Uhr referiert Igor Net zu regressivem Antikapitalismus:

Die Kritik am Kapitalismus gilt zu Recht als Kernstück linken Denkens. Doch auch die extreme Rechte gibt sich in ihren Parolen immer wieder antikapitalistisch. In der Veranstaltung werden wir uns der Frage annähern, warum sich rechte und linke Vorstellungen von Antikapitalismus in verschiedenen Punkten überschneiden können. Dazu werden Fragen der Abstraktionen des kapitalistischen Marktes, des Arbeitsbegriffs und der Personifikation der ‚Nicht-Arbeit’ berührt.